All about Telemedizin - Folge 16 - Sascha Platen
Shownotes
Die aktuelle Pflegesituation in Deutschland
Dramatischer Pflegenotstand mit über 5,5 Millionen Pflegebedürftigen Prognose: Bis 2030 werden 500.000 Pflegekräfte fehlen Alarmierender Trend: Allein im Januar meldeten über 50 Pflegedienste Insolvenz an Sascha Platen betont: Die Situation ist nicht nur eine "Prognose", sondern bereits jetzt verheerend
Haupthindernisse für die Digitalisierung in der Pflege
Überbordende Bürokratie als größtes Hemmnis Mangelnde digitale Infrastruktur in Pflegeeinrichtungen (z.B. flächendeckendes WLAN) Fehlende einheitliche Datenstandards Unterschiedliche Regelungen in den 16 Bundesländern Im Gegensatz zu Ländern wie Finnland: Dort ist die digitale Infrastruktur in Pflegeeinrichtungen zu 100% vorhanden
Konkrete digitale Lösungen mit Praxisbeispielen
Sprachdokumentation/Speech-to-Text: Kann die Arbeitszeit für Dokumentation erheblich reduzieren Vitalparameter-Messung durch Wearables: In Finnland bereits Standard, in Deutschland noch die Ausnahme Telepflege-Kommunikation: Lösungen wie die von Vivaicare ermöglichen digitalen Kontakt mit Pflegebedürftigen Sturzerkennungssysteme: Produkte verschiedener Anbieter wie Lindera und Libicare Telemedizinische Interventionen: Pilotprojekte in Berlin und Süddeutschland zeigen Erfolge
Potenzial der digitalen Lösungen
Studien zeigen: Bis zu 34% der Arbeitszeit in der stationären Pflege könnten durch konsequenten Einsatz digitaler Tools eingespart werden Bei Sprachdokumentation: Zweistellige Prozentsätze an eingesparter Arbeitszeit bereits nachgewiesen MyNeva-Studien belegen: Fast eine Stunde Arbeitszeit pro Tag können durch den Einsatz digitaler Lösungen eingespart werden
Internationale Vergleiche
Finnland als Vorbild: Trotz geringerer Bevölkerungsdichte und größeren Distanzen funktioniert die Pflegeversorgung besser Vitalparameter-Messungen durch Wearables sind in Ländern wie Finnland und Spanien bereits Standard In anderen europäischen Ländern ist die elektronische Patientenakte selbstverständlich, ohne Widerspruchsregelungen
Ökosystem und Datenaustausch
Zersplitterter Markt mit vielen Einzellösungen Primärsoftwareanbieter als zentrale Akteure für die Datensammlung und -verarbeitung Notwendigkeit von einheitlichen Schnittstellen und Kooperationen zwischen Unternehmen
Forderungen an die Politik
Investitionen von 6-7 Milliarden Euro nötig, um die Pflege umfassend zu digitalisieren Massive Entbürokratisierung für Neubau und Digitalisierung Kritik an der Anforderung "wohnortnaher Versorgung" für Telemedizin, besonders in ländlichen Regionen Warnung: Die kommenden drei Jahre sind entscheidend, sonst droht ab 2030 der Zusammenbruch des Pflegesystems
Über den Gast Sascha Platen ist Head of Consulting bei myneva, einem Unternehmen, das mehrere tausend Pflegeeinrichtungen als Kunden betreut und digitale Lösungen für den Pflegesektor entwickelt.
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Jan Zeggel: und herzlich willkommen Jan Zeggel: zu einer neuen Folge von All About Telemedizin, dem interaktiven LinkedIn Live und Podcast Format Für alle Fragen rund um Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung. Die heutige Folge Nummer 16 hat den Titel Telepflege, Digitalisierung und KI als Game Changer in der Pflege. Jan Zeggel: Und für das, wie ich finde, sehr spannende Thema, habe ich mir einen Experten heute hier eingeladen. Sascha Platen, Head of Consulting bei der MyNewa. Herzlich willkommen, Sascha. Sascha Platen: Hallo Jan, ich freue mich, dass ich bei dir sein darf. Jan Zeggel: Und wir Jan Zeggel: wollen heute... Das Thema Telepflege aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, das Buzzword etwas auch auseinandernehmen, zu sagen, was ist Telepflege eigentlich konkret, den Jan Zeggel: Praxisbezug herstellen, als man Mein Neva hat selber mehrere tausend Pflegeeinrichtungen als Kunden, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland.
Jan Zeggel Das heißt, wir wollen auch den Blick über den Tellerrand werfen, den nationalen: Tellerrand und uns anschauen, Jan Zeggel: was wird in anderen Ländern schon gemacht und aus welchen Elementen besteht die Telepflege eigentlich und das anhand von ganz konkreten Praxisbeispielen auch darstellen Diskutieren und Einblicke geben und abschließend auch gemeinsam, Sascha, einen Blick in die Zukunft der Telepflege werfen. Jan Zeggel: Und das ganze Format ist wie immer interaktiv also auch nochmal herzlich willkommen an alle, die jetzt live über LinkedIn zuschauen und zuhören. Ihr habt die Möglichkeit, euch an Jan Zeggel: der Diskussion zu beteiligen, eure Fragen dann auch zu stellen, Kommentare zu machen. Nutzt dafür gern die Kommentarschrift Funktion auch bei LinkedIn und wir freuen uns auch über Feedback Jan Zeggel: und mit euch in den Austausch zu kommen.
Jan Zeggel Ja Sascha, lass uns direkt mal starten, würde ich sagen. Und wenn wir auf die Pflegebranche oder die Pflegesituation in Deutschland schauen, dann kann man wirklich sagen, die ist katastrophal. Also es geistern ja auch jeden Tag durch die Zeitung die Begriffe: Pflegenotstand, Pflegekrise. Wir haben den demografischen Wandel, der uns doppelt trifft Zum einen die drittälteste Bevölkerung weltweit. Jan Zeggel: Aktuell haben wir schon über fünfeinhalb Millionen Menschen in Deutschland, die Anspruch auf Pflegeleistung haben, Tendenz stark steigen Gleichzeitig sagen verschiedene Prognosen, wir haben bis 2030 allein 500.000 Menschen, die in der Pflege Jan Zeggel: fehlen werden und mit Blick auf die Finanzierungssituationen Einen Umstand, dass jetzt allein im Januar über 50 Pflegedienste Insolvenz angemeldet haben. Jan Zeggel: Und da ist natürlich die Frage, was können wir tun? Das wollen wir heute besprechen, aber ich würde auch jetzt erst mal das Wort an dich übergeben und dich fragen, wie schaust du auf den Status Quo der Pflege in Deutschland? Und dann nämlich auch abgeleitet zu sagen, wie ist auch dein Eindruck Du warst in den letzten Wochen viel im Ausland unterwegs.
Jan Zeggel Wie ist es da im Vergleich zu Deutschland: Sascha Platen: Ja, über das Ausland will ich jetzt mal nachher sprechen, weil dann wird man immer traurig wenn man ins Inland schauen muss, wenn man im Ausland unterwegs war und sieht, was da möglich ist. Du sagst es ja richtig, aber wir müssen uns glaube ich von dem Satz oder von dem Wort Prognose verabschieden. Die Situation ist sehr, sehr schlecht und sie wird immer verheerender. Sascha Platen: Ich kenne ehrlicherweise momentan nur einen in meinem Bekanntenkreis der sich freut der ist auf die Restrukturierung insolventer Pflegeeinrichtungen spezialisiert. Der stellt nämlich im laufenden Band Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, weil ich glaube es sind jetzt 60 Pflegeheime alleine insolvent gegangen in den ersten zwei Monaten, die jetzt restrukturiert werden müssen. Sascha Platen: Aber die Politik hat ja selber in den letzten Monaten und Jahren immer gesagt, ja es könnte dramatisch werden. Es fehlen uns vielleicht 500.000 Pflegekräfte. Und wenn ich dann alleine sehe, dass wir letztes Jahr einen Minister hatten, dem über Nacht dann eingefallen ist, ups, es waren dann doch 600.000 mehr Menschen im Pflegegeldbezug als er erwartet hat in seinen Statistiken, dann müssen wir uns vielleicht, damit wir uns ehrlich machen, erstmal von...
Sascha Platen Diesen Prognosen verabschieden, sondern die Ist-Situation so annehmen,: wie sie ist. Und wenn wir das nämlich tun, dann können wir all die Dinge, über die wir heute noch sprechen werden, auch besser umsetzen und vielleicht die Situation auch wieder verbessern. Aber diese, dieses reine Malen von Bildern in der Zukunft muss aufhören. Sascha Platen: Wir müssen die Situation heute betrachten und die ist absolut verheerend und ohne den großartigen Einsatz der Angehörigen in der Pflege wäre das System auch schon längst zusammengebrochen ehrlicherweise. Und wenn du mir den Satz noch erlaubst, schaut man ins Ausland, da geht es bei geringerer Bevölkerungsdichte und größeren Distanzen auch. Sascha Platen: Ich nehme als Beispiel Finnland, da kommen wir nachher nochmal drauf zu sprechen. Und wenn wir die Situation für uns so annehmen, dann können wir auch was verbessern glaube ich. Jan Zeggel: wir haben ja heute nicht so wahnsinnig viel Zeit, deswegen werden wir das Thema nicht in allen Facetten beleuchten können. Von daher, lass uns gerne mal auf einzelne Aspekte auch dieser Pflegekrise schauen. Also wenn wir da jetzt mal reinzoomen und das, was du tagtäglich erlebst in den Gesprächen mit Geschäftsführern von Pflegeeinrichtungen aber auch mit Pflegepersonal.
Jan Zeggel Also was drängt sich da auf, was beobachtest du da?: Sascha Platen: Das größte Wort, was mir immer entgegenschlägt ist Bürokratie. Wir haben einen unglaublich bürokratischen Aufwand Sascha Platen: Der auch in der Digitalisierung natürlich Mauern hochzieht und Grenzen hochzieht die wir überwinden müssen und die Bürokratie ist seit Jahren das größte Problem. Wir haben einen Fachkraftmangel das ist richtig, aber mit Entbürokratisierung könnten wir hier schon einen großen Teil entgegenwirken und das ist das größte Problem, glaube ich für alle und die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte als solches Jan Zeggel: Endbürokratisierung meint dann insbesondere Dokumentationspflichten oder bauliche Jan Zeggel: Anforderungen. das ist ja auch eine sehr große Bandbreite an Themen. Kannst du da noch genauer darauf Jan Zeggel: eingehen?
Sascha Platen eine ist natürlich die Dokumentationspflicht, die völlig irre ist und dann auch in 16 Bundesländern zum Teil unterschiedlich geregelt. Das andere ist, wenn wir digitalisieren wollen, Buzzword, und alle sagen, wir müssen die Pflege digitalisieren brauchen wir eine digitale Infrastruktur. Und da lade ich herzlich jeden ein, mal: in der Kommune vor Ort zu schauen, wie lange es dauert, flächendeckendes WLAN in einer Pflegeeinrichtung zu installieren. Sascha Platen: Ich glaube, man lernt schnell eine Fremdsprache, bis man durch die Gesetzestexte durch ist und durch die Anforderungen. Und das ist natürlich schon mal die erste Hürde. Wenn ich keine digitale Infrastruktur habe, kann ich auch nicht digitalisieren. Und das macht es natürlich schwierig. Das ist Entbürokratisierung für mich. Jan Zeggel: und Du hast Finnland angesprochen, also noch mehr Fläche noch weniger Einwohner im Verhältnis als in Deutschland. Wie stellt sich die Situation dort an? Sascha Platen: Vitalparametermessungen, Blutzucker, Blutdruck und so weiter, ist dort Standard, dass das durch Variables funktioniert. Also ich habe es selber gesehen, und meine Kollegen beschreiben mir das auch vor Ort, die sind viel weiter. Oder auch das Gespräch der Pflegekraft mit dem Pflegebedürftigen vor Ort nehmen Sie bitte jetzt Ihre Medikamente vor Versuchen ja auch in Deutschland manche Firmen jetzt durchzusetzen wie Veike oder andere, solche Lösungen zu implementieren dass man auch öfters mal kommuniziert, statt immer vor Ort zu fahren.
Sascha Platen Das ist dort Standard und bei uns leider noch nicht.: Und digitale Infrastruktur in den stationären Einrichtungen ist 100% vorhanden Also ich kann morgen mit einer neuen digitalen Lösung einfach kommen und könnte sie implementieren, da ist es schon kein Problem und wenn wir uns Verordnungen anschauen, wie klassisch auch für deine Videosprechstunden, die du machst, da gibt es ja auch unendliche Regelungen auch in Deutschland dafür, das weißt du selbst, wie lange es gedauert hat, bis du am Markt warst, das ist in Finnland von heute auf morgen fast möglich und das macht es natürlich extrem spannend, die schaffen das mit viel weniger Pflegekräfte viel mehr Menschen. Sascha Platen: Auch in einem sehr, sehr breiten Land zu versorgen, wo teilweise der eine Pflegebedürftige vom nächsten 60 Kilometer weg wohnt und trotzdem wieder von der gleichen Person betreut. Und das sind natürlich für Osten Deutschlands auch Beispiele die wir dringend hier implementieren müssen.
Jan Zeggel Ja, ist einer der Gründe dass auch Länder wie Finnland Sehr stark auf eine strukturierte Datenbasis setzen. Also elektronische Patientenakte ist dort ja bereits implementiert, weil wenn wir: Vitalparameter messen, die Technologie haben wir in Deutschland ja Jan Zeggel: auch. Die ist ja da, die ist auch zugelassen. Jan Zeggel: Momentan gibt es nur wenig Andockpunkte um Daten strukturiert dann auch zu übermitteln und auszuwerten. Reden wir über Standards. Ist das aus deiner Sicht auch einer der infrastrukturellen Schwachstellen, denen wir jetzt sehr zeitnah begegnen müssen? Ja Sascha Platen: Ich war vor meinem Urlaub in Teilen im Dezember in einem Gespräch mit mehreren Kolleginnen und Kollegen aus Europa, Spanien, Italien nicht von Meineva, sondern aus unserer Branche. Und ich habe denen erklärt dass wir in Deutschland für unsere EPA eine Widerspruchsmöglichkeit haben. Die haben mich alle am Tisch angeguckt als wäre ich nicht normal.
Sascha Platen Das sage ich dir ganz offen. Also das ist natürlich, alle diese Länder setzen auf Daten und setzen auf strukturierte Daten, auf E-Pass. In Österreich kommt jetzt die Elga, da denkt man über sowas gar nicht nach, ehrlicherweise. Das heißt, ich glaube, dass wir uns in Deutschland auch an der Stelle ehrlich machen müssen, wenn wir schon einen Mangel bei Digitalisierung haben, Infrastruktur und Fachkräften, können wir uns nicht noch den Mangel erlauben dass: wir Bei den strukturierten Daten oder bei der Datennutzung per se immer mehr Ausnahmemöglichkeiten oder Widerspruchsmöglichkeiten zulassen. Sascha Platen: Ich glaube, das können wir uns nicht mehr erlauben ehrlicherweise. Jan Zeggel: Ja, nun... Haben wir ein bisschen über die Ausgangssituation gesprochen und gleichermaßen gibt es ja auch in Deutschland innovative Unternehmen und Lösungen oder auch Unternehmen aus dem Ausland, die natürlich in den deutschen Markt kommen wollen. Also Innovationen sind auch da zugelassene Produkte, auch als Medizin zugelassene Produkte. Jan Zeggel: Die finden aber nicht den Weg in die Jan Zeggel: Praxis. Einige der potenziellen Mal Hemmschwellen oder Hemmschuhe hast du auch bereits angesprochen. Stichwort keine flächendeckende Internetversorgung in Pflegeeinrichtungen. Aber wenn du aus deinen Gesprächen aus deiner Wahrnehmung, warum schaffen wir es nicht, diese Lösungen, die ja da sind, in die Praxis zu bringen, wo sie ja so dringend gebraucht werden? Vielen
Sascha Platen viel Zeit man damit einsparen: kann. Es gab eine interessante Studie wir können im Nachgang gerne auch hier mal teilen, dass wir heute schon mit den Tools, die wir haben, knapp 30, 34 Prozent der Arbeitszeit in der stationären Pflege sparen könnten, würden wir sie konsequent einsetzen. Sascha Platen: Also ich teile die auch gerne mit einem Auditorium im Nachgang, das ist das eine. Und das andere ist es ist keine Pflicht. Wir sehen das jetzt ganz schön bei der TI in der Pflege. Jetzt rückt das Datum der Pflicht immer näher und auf einmal fangen die Leute an, sich damit zu beschäftigen führen es ein und so weiter und so fort. Sascha Platen: WLAN wird jetzt verpflichtend. In einigen Bundesländern war es das schon vorher. Jetzt wird es umgesetzt. Vielleicht braucht es diesen Druck, du kennst das aus anderen Bereichen des Gesundheitswesens. Ich finde es aber sehr schade, weil man sich davor jetzt nicht schützen kann mit dem Satz ich wusste nicht, dass es die Lösung gibt. Sascha Platen: Ich bin vielleicht nicht aufgeklärt genug, wie viel Zeit ich damit einsparen kann, aber ich wusste nicht, dass es die Lösung gibt. Da erlaubt es keine Entschuldigung mehr in Pflege. Ich bin jetzt seit 20 Jahren in dem Markt, ich gehe jetzt mal zurück, Altenpflegemesse 2015, seitdem gibt es Variables, die mir bekannt sind.
Sascha Platen Seitdem gibt es Sturzerkennungssensoren, seitdem gibt es es gibt: Caera, Patronus so viele Lösungen die Notfallsysteme haben. Es gibt den Johanniterhaus-Notruf, ich glaube, der ist 20 Jahre alt. Also zu sagen, ich kenne diese Lösungen nicht, das ist kein Argument und keine Entschuldigung mehr. Ich glaube, es braucht auch noch mehr Leidensdruck, um sie zu implementieren Ich sehe das immer mehr jetzt, Speech-to-Text, also klassisch die Sprachdokumentation kommt jetzt überall, weil man eben sagt, Durch den Druck sieht, man braucht das jetzt, um die Arbeitszeit und Dokumentation zu sparen. Sascha Platen: Die Systeme sind jetzt auch überwiegend alle praktikabel oder markteinsatzfähig. Jan Zeggel: Vielen Sascha Platen: man es schön auf den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den pflegenden Angehörigen belassen können, den Druck. Sascha Platen: Und jetzt kommt er in der Fläche an. Jan Zeggel: Nun haben wir ja die Situation
Jan Zeggel in der Pflege wie auch in anderen medizinischen Bereichen. Es gibt viele tolle Lösungen, die auf ein spezifisches Problem fokussieren, aber für Versorgungsprozess: bedarf es ja einem Zusammenspiel von verschiedenen Sascha Platen: Dank Jan Zeggel: Wie guckst du auf diesen Markt für, ich nenne mal Pflege Pflegeinnovationen Pflegesoftware? Wie sieht dieses Ökosystem heute aus und wie muss es sich dann auch entwickeln, dass wir die Verzahnung der Einzellösung perspektivisch gut hinbekommen, um damit auch eine entsprechende Entlastung beim Pflegepersonal und auch bei den Pflegenden und Angehörigen zu erreichen? Sascha Platen: Der System ist ja noch so zersplittert dass wir von dem Ökosystem in der Breite gar nicht sprechen können. Also im Kliniksektor, dem medizinischen Reich ist es ein bisschen anders, aber bei uns haben die 30 größten, ich glaube, 14 bis 16 Prozent Marktanteil in Summe. Das heißt, wir haben einen sehr zerklüfteten Markt mit sehr, sehr vielen Anbietern.
Sascha Platen Wir brauchen erstmal einheitliche Schnittstellen, die machen sich langsam breit siehst du selbst. Das heißt also, ich kann viele Systeme miteinander verarbeiten Es gibt auch in unserem Bereich der Primärsoftware immer mehr Anbieter die miteinander sprechen und arbeiten. Unser CEO macht das auch, die: Geschäftsführer von anderen Primärsoftware-Anbietern machen das genauso, dass man miteinander spricht und einheitliche Anknüpfungspunkte sucht Lösungen sucht wie man auch miteinander die Systeme kommunizieren lassen kann, damit man eben nicht mehr kostenaufwändig diverse Dinge umsetzen muss, die Digitalisierung wieder hemmen. Sascha Platen: Das hoffe ich, dass sich das auch immer weiter fortsetzt und ansonsten glaube ich brauchen wir jetzt den Zusammenhalt der Unternehmen unter sich auch, dass man zusammenarbeitet, wir sehen das im Bereich der Wundversorgung, dass auch mehrere Unternehmen, da bist du ja auch glaube ich mit beteiligt ein bisschen, dass man zusammenarbeitet und einen einheitlichen Prozess aufsetzt, wo dann Von der, ich sage mal, Telepflege bis zur Wunddokumentation per se, bis zum Übergang ins Primärsoftware, der Überleitung zum Arzt.
Sascha Platen Da gibt es funktionierende Prozesse, wo mehrere Unternehmen zusammenarbeiten. Und das müssen wir jetzt auf alle anderen Bereiche auch ausrollen und dann wird es sich auch durchsetzen glaube ich am Ende des Tages. Bisher gab es das nicht. Du hast diese Startup-Areas auf einer Messe, es sind 30 Startups: 20 davon haben die gleiche Idee oder im Grunde wollen sie alles gleiche Fachkraftmangel, Fachkraftmangel. Sascha Platen: Und aufgrund der Tatsache dass es so viele Abnehmer auf der anderen Seite waren, ein Pflegeheim, ein Geschäftsführer also man hat, wenn man richtig in die Akquise gehen wollte, kannst du ja mal Christoph Schneeweiß von Caretable fragen, der hat zehn Jahre gebraucht um sich durchzusetzen, richtig, weil man immer so viele immer einzeln ansprechen musste, vor Ort fahren. Sascha Platen: Heute gibt es einheitliche Prozesse. Und deswegen werden wir in den nächsten Jahren viel Veränderung sehen. Ich habe vor einer Sache Angst und das sage ich dir ganz offen. Das ist eine politische Sache. Wenn jetzt die Wehrpflicht kommt als Beispiel, was politisch kann jeder so stehen, wie er möchte, gibt es möglicherweise auch wieder den Zivildienst. Sascha Platen: Wenn der Zivildienst wieder kommt und ab 28.000 Zivildienstleistende wieder einrücken in der Tagespflege, ambulanten Pflege stationären Pflege vor allem, dann nimmt dieser Leidensdruck ein bisschen ab. Der möglicherweise dann wieder die Digitalisierung hemmt. Ich hoffe, dass das nicht passiert und dass wir die nächsten Jahre noch mit großen Schritten vorangehen auch mit so einheitlichen Prozessen wie ich sie bei der Wunddokumentation gerade geschildert habe.
Jan Zeggel Ein: klarer Appell an die Politik, aber auch die Verantwortlichen in den Pflegeeinrichtungen. Du hast das Verzahnen von unterschiedlichen Lösungsanbietern und auch von Versorgungsprozessen gerade angesprochen, auch interprofessionelle Zusammenarbeit auch das ist ja eines der Kernelemente der Telepflege, also auch Interprofession Dann ärztliche Leistungen, physiotherapeutische Leistungen, pharmazeutische Leistungen immer digital in die Pflegeeinrichtungen oder in die Häuslichkeit der zu Pflegenden zu Jan Zeggel: bringen.
Jan Zeggel Und ich glaube, es ist ein guter Zeitpunkt, dass wir da auch mal ein bisschen tiefer einsteigen. Und indem wir über die Rahmenbedingungen gesprochen haben, sagen, was ist denn heute schon etabliert Weil das ist auch das Ziel dieses Formats, über konkrete Projekte über konkrete Lösungen die schon in der Praxis funktionieren Zu sprechen, zu zeigen, dass es funktioniert und auch Mut zu machen. Sascha, du hast jetzt im Grunde die freie Wahl von dem, was du in den letzten Wochen und Monaten gesehen hast in der Praxis in der Anwendung Was sind die Themen, wo du für dich persönlich und wo ihr auch als: vielleicht meine Jan Zeggel: Neva-Gruppe das größte Potenzial seht in der Pflege was die Digitalisierung oder digitale Tools angeht Sascha Platen: Also neben Speech-to-Text, der Sprachdokumentation, wo wir eine Lösung haben, aber auch andere eine Lösung haben, Dexter Voice, andere Unternehmen auch Malneva, ist es natürlich der Einsatz von Variables. Ich war ja selbst mal für einen Variable-Hersteller tätig und habe gesehen, wie das im Ausland funktioniert, jetzt auch wieder in Finnland gesehen, wie die Kolleginnen und Kollegen dort mit solchen Anbietern zusammenarbeiten. Sascha Platen: Und ich denke einfach, die Messung von Blutzucker... Anderen Vitalparameter wie Blutdruck das darf es einfach in Zukunft nicht mehr in der Breite geben, dass da jemand hinfahren muss und es macht. Wir sehen das in Finnland, dass es das nicht mehr gibt. Wir sehen es in Spanien, dass es in vielen Teilen Kataloniens und anderen Bereichen nicht mehr eingesetzt wird.
Sascha Platen Und auch in deutschen Institutionen sehen wir, dass wir das nicht unbedingt noch brauchen. Ein gemeinsamer Bekannter von uns kommt ja jetzt auch mit einer Smartwatch auf den Markt, wo man den: Blutdruck messen kann in Zukunft. Und ich denke, dass wir sowas in der Breite auch in Deutschland einsetzen müssen. Sascha Platen: Das ist praktikabel. Bei den Einrichtungen, wo wir zum Beispiel auf Speech-to-Text setzen, das heißt Sprachdokumentation, können wir schon zweistellige Prozentraten aufsetzen An Arbeitsintensität der Dokumentation reduzieren. Wir selbst haben bei unseren Studien festgestellt, dass wir knapp eine Stunde Arbeitszeit einsparen können, wenn wir digitale Lösungen, die ich zum Teil beschrieben habe, also digitale Dokumentation, KI-gestützte Pflegeassistenten Sprachdokumentation einsetzen, einsparen können. Sascha Platen: Wie ich vorhin schon gesagt habe, geht das glaube ich fast mit einem Drittel der Zeit, wenn man alle Lösungen einsetzt. Ich gebe dir mal ein Beispiel einer Lösung, die in Deutschland schon eingesetzt wird. Jetzt darf ich vielleicht ein bisschen Werbung machen. Das ist Bettina Horster mit Vivaicare. Du kennst sie auch.
Sascha Platen Eine Lösung, die... Das offensichtlich verhindert, dass ein ambulanter Pflegedienst immer wieder zu den Angehörigen rausfahren muss, beziehungsweise zu Pflegebedürftigen ihrer Angehörigen und dort vor Ort nach dem Rechten schauen muss,: weil einfach Kommunikation schon möglich ist. Jede Fahrt die ich da nicht machen muss, kann ich wieder einen anderen Pflegebedürftigen versorgen. Sascha Platen: Die Lösungen funktionieren alle. Nehmen wir Sturzerkennung. Lindera, Sturzprophylaxe aber auch Sturzerkennungssysteme wie Libicare und so weiter. All diese Lösungen sind am Markt und könnten sofort eingesetzt werden, werden sie auch zum Teil. Und überall, wo sie eingesetzt werden, liefern sie einen Mehrwert. Sascha Platen: Deswegen empfehle ich einfach, Dass wir uns das alles genau anschauen, es sind ja hier auch ein paar Leute da, die zuhören, die meisten aus der Branche, und einfach mal schauen, wie viel Arbeitszeit kann diese Lösung heute schon einsparen und dann auch in der Fläche wenn wir sie alle miteinander kombinieren. Sascha Platen: Wir müssen natürlich, wir brauchen keine sechs Sturzerkennungssysteme in einem Pflegeheim, aber jedes, was da am Markt ist, hat seine Daseinsberechtigung, weil es für unterschiedliche Einsatzbereiche genutzt werden kann. Die Beispiele kann ich dir schon mal nennen. Ich könnte jetzt ein bisschen Werbeblock noch machen für uns, da verzichte ich heute drauf. Sascha Platen: Kann sich jeder auf unserer Sascha Platen: Website
Jan Zeggel vor allen Dingen auch mal darum, die ganze Bandbreite der: Telepflege auch mal sichtbar zu machen, weil es läuft im Grunde genommen immer unter diesem Buzzword. Ich finde es persönlich wichtig, einen Einblick zu bekommen, was konkret in der Praxis da ist, wie es entlastet wie es unterstützt. Die spannende Frage persönlich, weil ich auch selber Technologie und Software entwickle ist ja am Ende, wo gehen die Daten hin? Jan Zeggel: Also da Jan Zeggel: ist eine intelligente Lösung, die erfasst Daten. Zu wem geht die? Jan Zeggel: Wer entscheidet denn, was damit passiert? Wie guckt ihr da heute auch aus der Myneva-Perspektive da drauf? Wie sieht dann am Ende dann doch vielleicht das Zielbild von einem Ökosystem aus, von verschiedenen digitalen Tools, die andocken? Wer sind diese zentralen Plattformen Sind das die Primärsystemhersteller oder kristallisiert sich da möglicherweise auch noch ein neues Marktsegment heraus an Anbietern die diese Daten aggregieren und entsprechenden Decision Support machen, also Unterstützungsleistungen dann für Pflegekräfte bieten?
Sascha Platen Als ich mein Neva angestellt habe, muss ich natürlich sagen, das sind die Primärsysteme weil wir selber eins sind.: Was in der Zukunft passieren wird, weiß ich ehrlicherweise nicht, aber aktuell ist es der Primäranbieter Primärsoftwareanbieter weil er natürlich auch über die Abrechnung entscheidet. Wir zum Beispiel entwickeln auch die ganzen KI-Modelle, die wir in den Pflegeassistenten haben oder in der Care-App, also in der Speech-to-Text-Lösung haben wir selbst entwickelt. Sascha Platen: Das heißt, natürlich ist es wichtig, dass die Daten von uns gehostet werden, in Deutschland gehostet werden, dass die Daten beim Primärsoftwareanbieter landen dass wir sie auch kombinieren, dass wir, wir haben ein eigenes Partnermanagement. Es ist eben nicht Telepflege es ist eben nicht, ich liege in meinem Bett, mache eine Videosprechstunde mit dem Arzt, sage, ich lebe noch, ja, und kriege wieder mein Rezept. Sascha Platen: Das ist keine Telepflege. Das ist auch dringend notwendig und ich muss in der Breite endlich mal sich durchsetzen. Das hat ja damit nichts zu tun. Ich würde sagen, die nächsten Jahre ist es noch der Primärsoftwareanbieter was in Zukunft kommt, weiß ich nicht, aufgrund des zerklüfteten Marktes und wir haben auch sehr, sehr viele Primärsoftwareanbieter am Markt, das konzentriert sich jetzt auch immer mehr, aber aktuell wäre es sicherlich am besten, das über die Primärsoftwareanbieter zu machen, weil wir auf der anderen Seite, nämlich der Anwenderseite
Sascha Platen nicht die: gleiche Infrastruktur vorfinden, wie wir sie zum Beispiel im Sektor der Krankenhäuser haben. Also wir haben keine klassischen IT-Abteilungen in den Pflegeeinrichtungen, wir haben keine CTOs außer bei sehr großen Trägern. Wir haben eine Software, die alles macht, im Prinzip, wo alle Daten zusammenlaufen. Sascha Platen: Und wo alles gesteuert wird. Deswegen glaube ich, wir sollten in Zukunft auch noch auf die Primärsoftwareanbieter setzen, die sich aber öffnen müssen. Es kann nicht sein, dass wir sagen, okay, wir wollen all diese Digitalisierung das ist alles wunderschön und diese Telepflege. Und die letzten Jahre haben sich auch viele Primärsoftwareanbieter halt gegen die Startups gesperrt oder gegen die tollen digitalen Lösungsanbieter. Sascha Platen: Du kannst da wahrscheinlich selber ein Lied von singen was ist in den letzten Jahren. Das geht natürlich auch nicht. Also wenn wir das wollen, dann müssen wir auch offene Plattformen anbieten wo wir so viele Lösungen wie möglich, die unseren Kunden helfen, auch andocken lassen und ihre Daten gemeinsam nutzen und vor allem die Lösungen gemeinsam implementieren.
Jan Zeggel Ja. Lass uns nochmal bei dem Thema Vital-Daten-Erfassung per Variable bleiben, weil persönlich finde ich das super spannend.: Der übergeordnete Begriff ist ja das Tele-Monitoring also auch langfristig Zeit, Daten, Vitaldaten zu erfassen und auch auszuwerten. Und das gibt Jan Zeggel: natürlich, sofern diese Daten dann vorliegen auch ganz neue Möglichkeiten, telemedizinisch zu intervenieren. Jan Zeggel: Eben also dann auch ärztliches Personal telemedizinisch hinzuzuschalten und damit dann auch potenzielle Krankenhauseinweisungen dann zu vermeiden. Wie Wie blickst du da drauf? Wo stehen wir da heute in Deutschland? Gibt es schon Pflegeeinrichtungen, die du kennst die das umsetzen oder pilotieren? Oder ist das wirklich so, dass wir da noch ganz am Anfang stehen? Sascha Platen: Wir sind jetzt zwei bekannt, eine in Berlin, eine in Süddeutschland die das gerade pilotieren, versuchen umzusetzen Das heißt, dass auch eine entsprechende Alarmmeldung abgesetzt wird und dann ärztliches Personal dazukommen kann über eine Video-Sprechstunden-Funktion oder allein auch über die Kommunikation per Ton.
Sascha Platen Das heißt, es gibt einen Anruf und es geht Ihnen gut, ist hier eine Fehlermeldung, sollen wir jemanden: vorbeischicken. Das ist dann in Einrichtungen des betreuten Wohnens. Was Berlin betrifft ich sehe das auch in Süddeutschland in der Pflegeeinrichtung, da ist es relativ schwierig weil die ärztliche Infrastruktur noch nicht gegeben ist, die Ärzte selber oder das medizinische Personal nicht vorhanden ist. Sascha Platen: In Berlin selber ist mir bekannt, das ist Umland von Berlin, dass es da sehr gut funktioniert und dass sich auch diese Einrichtungen Furchtbaren Fahrten, die sich dann jedes Mal ergeben, jemanden zur Kontrolle irgendwo hinzufahren dann auch ersetzen lassen. Ich habe ein sehr schönes Beispiel gesehen von einem kleineren Träger in Westdeutschland Wo man über die Variables und die Messung der Vitalparameter-Daten den Menschen erlaubt hat, sich mehr in ihren Räumen zu bewegen in der Pflegeeinrichtung. Sascha Platen: Das heißt, ich musste nicht drei Stunden warten, bis jemand gekommen ist, um jetzt meinen Blutzucker zu messen sondern es ging einfach viel schneller und es kam nur jemand auf mich zu. Weil ich natürlich auch Tracking machen kann über solche Funktionen wenn es die Menschen erlauben Und deswegen gibt es diese Beispiele.
Sascha Platen Wir sollten sie vielleicht im Nachgang wir haben jetzt heute nicht die Zeit, vielleicht auch teilen. Das mache ich sehr gerne über dich dann, über deinen Kanal. Und: gerne können wir auch mal ein Beispiel aus Finnland teilen, wo das schon Standard ist, wo also auch wirklich nur noch der Arzt kommt, wenn die Pflegekraft oder eine Wenn Community Nurse darauf reagiert hat und gesagt hat, okay, da muss jetzt dringend jemand kommen, dann kommt der Rettungsdienst und andernfalls kann man dann auch, oh sie haben vergessen, ihre Medikamente zu nehmen, ihre Vitaldaten sagen mir das gerade. Sascha Platen: Und dann schaut man nochmal nach, dass die Patientin oder der Patient ihre Medikamente nimmt. Und das reicht dann oftmals leider schon, weil wir haben es auch oft mit dementen Menschen zu tun. Das dürfen wir nicht vergessen. Jan Zeggel: Und du sagst ja, es gibt teilweise auch vor Ort nicht mehr die ausreichend ärztlichen Strukturen oder auch den Kooperationswillen Thema Videosprechstunde kenne ich mir von Haus aus ganz gut aus. Es gibt neue Regelungen, die jetzt auch seit 1. März in Kraft sind. Dort wird explizit gefordert dass es eine wohnortnahe Versorgung ist. Jan Zeggel: Also auch Jan Zeggel: Ärzte die Telemedizin verhandeln sollen wohnortnah Jan Zeggel: sein
Sascha Platen ist der größte Schwachsinn. Ich wohne jetzt in Ostdeutschland, ich komme ursprünglich aber aus: Baden-Baden und ich fahre viel durch Sachsen und Thüringen. Wunderschöne Länder, ganz nette tolle Menschen. Wie soll das denn funktionieren? Wir haben in manchen Flecken hier rund um Potsdam ganze Dörfer ohne Arzt. Sascha Platen: Aber mit Pflegeeinrichtungen. Die Stadt Brandenburg an der Havel hat inzwischen jedes größere Bauprojekt der letzten fünf Jahre war eine Pflegeeinrichtung aber selber noch drei Allgemeinmediziner für 80.000 Einwohner plus die Pflegebedürftige. Das funktioniert nicht, Jan. Wenn wir sagen, wir wollen Telepflege haben und wir wollen Telemonitoring haben. Sascha Platen: Wo ist der Unterschied, ob sich die Vitaldaten des Patienten ein Arzt aus Brandenburg an der Havel oder ein Arzt aus Frankfurt am Main anschaut Kannst mir einen Unterschied sagen? Ich sehe keinen. Es ist wieder eine Einengung des Systems. Ja, und da kommen wir wieder zu deiner Anfangsaussage dazu. Die Prognosen sagen, es fehlen 500.000 Pflegekräfte Die Situation ist eine Katastrophe.
Sascha Platen Erlaubt mir den Satz vielleicht. Ich war vor zwei Wochen samstags bei einem Einweihungsfest eines: Pflegeheimbetreibers. Den Geschäftsführer kenne ich seit 20 Jahren. Das war einer meiner ersten Kunden. Der hat jetzt eine weitere Pflegeeinrichtung eröffnet und ich war dort auch für meinen Eber dann als Gast. Sascha Platen: Und wir haben dann ein Bierchen getrunken zusammen und ich habe ihn gefragt, wie war es denn letztes Jahr, da hat er mir gesagt, er hat eine Pflegekraft verloren, da habe ich gesagt, das immer schlecht, ja, es tut mir auch sehr leid für dich, die ist von Vollzeit auf Teilzeit und in der Teilzeit unter dem Arbeitsdruck kam sie nicht mehr klar und hat sich vor den Zug geschmissen und leider Suizid begangen. Sascha Platen: Solange wir nicht erkennen als Gesellschaft, tut mir leid und das passiert übrigens regelmäßig Kannst gerne mal eine Studie hier teilen, die Selbstmordrate ist unter medizinischem Personal in Amerika deutlich höher. Und das wird in Europa wahrscheinlich leider nicht viel anders sein, dass auch die Selbstmordgefahr steigt.
Sascha Platen Der Arbeitsdruck ist doch immens. Und anstatt für eine Entlastung zu sorgen, grenzen wir das jetzt schon wieder mit so einem Passus ein. Weil wir nicht verstehen, dass wir dieses Problem des Selbstmords... Pflegenotstandes bundesweit gesamtgesellschaftlich lösen müssen und wir können ja mal zusammen mit denen, die sich das ausgedacht haben, nach Goslar fahren oder irgendwo ins: Thüringer Land, dann sollen sie mir die Wohnortnahe Versorgung mal zeigen. Jan Zeggel: Ja, also auch hier klare Appell und deutliche Worte von dir. Vielen Dank und auch an der Stelle meine volle Zustimmung und da teilen wir auch sicherlich für alle, die sich intensiver wirklich fachlich mit den Themen beschäftigen dann auch das Bild und die Einschätzung. Einige konkrete Lösungsvorschläge haben wir auch heute hier Jan Zeggel: diskutiert. Jan Zeggel: Nun sind wir ja gerade auch mittendrin möglicherweise vor den Koalitionsverhandlungen. Was sind deine vielleicht auch noch ergänzenden Forderungen an die Politik? Ein paar hast du genannt aber was muss sich ändern? Wir haben ja häufig, also wir haben ja über viele Dinge diskutiert die sich heute... Die sinnvoll sind, aber nicht umgesetzt werden, weil sie nicht entsprechend finanziert werden.
Jan Zeggel Also es gibt auch wenig finanzielle Anreize für Veränderungen oder Fehlanreize durch das bestehende Finanzierungssystem. Welchen Wert und welchen Hebel siehst du dort auch wirklich steuernd: mit einzugreifen und welche Leistungen sollten aus deiner Sicht zukünftig viel stärker auch möglicherweise mit finanziellen Anreizen unterlegt werden? Sascha Platen: Zu Pflege liest sich in den Sondierungspapieren so gut wie gar nichts. Die Leute mit wirklich echter Expertise sind nicht, außer Matthias vielleicht, nicht in den Verhandlungsgruppen für Gesundheit. Frau Gerlach ist im Bereich Digitalisierung, nicht im Bereich Gesundheit, die sich immer sehr eng auch mit Digitalisierung der Pflege auseinandersetzt. Sascha Platen: Die Arbeitgeberverbände haben mal gesagt, wir brauchen sechs bis sieben Milliarden, um die Pflege so zu digitalisieren, dass wir wirklich Entlastung schaffen können. Das heißt, Lösungen deines Unternehmens anderer Unternehmen herzustellen Flächendeckende IT-Infrastruktur. Wenn ich das Sondierungspapier sehe, dann gibt es für alles Geld.
Sascha Platen Für die Pflege steht unten irgendwie, man will die Pflegekosten deckeln. Da haben sie immer nur nicht verstanden, dass die Pflegeversicherung die letzten Jahre immer eine Zusatzversicherung war, also eine Teilkasko, wenn wir beim Auto vielleicht als Beispiel bleiben. Das ist irgendwie so gar nichts.: Wenn ich das ehrlich sage, das Einzige was noch angekündigt wird, ist den Zuschuss zur Pflegeversicherung ab 2027 variabel zu machen. Sascha Platen: Dann weiß man zum Beispiel gar nicht woher das Geld kommen soll für die ganzen tollen Sachen, die wir jetzt vom 8. bis zum 10. April wieder auf der Altenpflegemesse beispielsweise sehen oder zeitgleich auf der DEMEA. Die Politik muss sich ehrlich machen und muss den Menschen sagen, Sascha Platen: Wenn wir das so weitermachen, dann kostet uns das einfach Wirtschaftswachstum Weil dreieinhalb Millionen potenziell Beschäftigte in Vollzeit sich gerade arbeitstechnisch zurücknehmen müssen, um ihre Angehörigen zu pflegen.
Sascha Platen Leider Gottes vorwiegend Frauen, auch absolut sozial ungerecht. Bringt nichts, nur auf die Beschäftigten zu schauen. Müssen auch schauen, wie produktiv sind die Leute noch, weil sie sich eben um pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen. Und wollen wir dass die Zahl einfach weiter steigt. Und da halte ich 6 bis 7 Milliarden plus ein großes Entbürokratisierungsprogramm für Neubau und Digitalisierung für nicht zu viel angesichts der Tatsache dass man sonst für jeden Quatsch auch noch Geld übrig hat, der eben gesamtgesellschaftlich vielleicht gar nicht die Auswirkung hat, wie wenn wir die Pflege jetzt endlich krisenfest: aufstellen. Sascha Platen: Das Problem ist noch beherrschbar, wir könnten noch etwas tun, aber ich glaube, dass die kommenden drei Jahre die entscheidenden sind, sonst droht uns ab 2030 der Zusammenbruch. Jan Zeggel: Auch hier klare und deutliche Worte von dir, Sascha. Vielen Dank dafür und denke, das war auch ein gutes Schlusswort. Ich möchte mich ganz herzlich bei dir für die Einblicke aus deinem Alltag bedanken, die du aus Pflegeeinrichtungen aus dem In- und Ausland hier für uns geteilt hast und auch die konkreten Beispiele die du aufgezählt hast. Sascha Platen: Danke dir. Jan Zeggel: Ich freue mich darauf, auch mit dir gemeinsam in Zukunft daran zu arbeiten, die Pflege und auch das Umfeld für pflegende Angehörige und am Ende auch für die Menschen, die gepflegt werden müssen, wirklich signifikant zu verbessern. Vielen Sascha Platen: Danke dir. Ich wünsche dir einen schönen Tag noch und auch allen, die zugehört haben. Jan Zeggel: bis bald.
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