All about Telemedizin - Folge 20 - Gesundheitswesen 2026: Reformen, Steuerung & die Zukunft der Versorgung
Shownotes
🎙️ All about Telemedizin – Folge 20 Jahresausblick 2026: Wohin steuert das Gesundheitswesen?
Mit:
Luisa Wasilewski – Unternehmerin, Beraterin, Vorstand AK eHealth Bitkom
Stefan Spieren – Hausarzt & Gründer Digitales Facharzt- und Gesundheitszentrum
Timo Frank – Stabsstelle Versorgung, gematik
Host: Jan Zeggel
🕰️ Inhalte & Themen der Folge
Warum 2026 ein kritisches Jahr für das Gesundheitssystem wird
Reformvorhaben aus dem Bundesgesundheitsministerium: Überblick & Einordnung
Primärversorgung vs. Primärarztsystem – wo liegen die Konfliktlinien?
Patientensteuerung: notwendig, missverstanden oder politisch falsch kommuniziert?
Digitale Front Door, 116 117 & Plattformfragen: Wer steuert eigentlich wen?
Asynchrone Kommunikation, KI & neue Versorgungsmodelle
Rolle von Apotheken, Pflege & nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen
Vergütung als zentraler Hebel für Veränderung
Warum Technologie allein das System nicht retten wird
Drei persönliche Thesen der Gäste für das Jahr 2026
🎯 Zentrale Takeaways
Das Problem ist nicht fehlendes Wissen, sondern fehlende Umsetzung
Patientensteuerung funktioniert nur mit Akzeptanz, Transparenz und Mehrwert
Digitalisierung muss Versorgung entlasten – nicht verkomplizieren
Vergütung entscheidet über Veränderungsbereitschaft
2026 wird kein Jahr der schnellen Lösungen, aber eines der Weichenstellungen
00:00 – Begrüßung & warum 2026 ein kritisches Jahr wird 02:40 – Gesundheitspolitische Reformvorhaben: Überblick & Einordnung 05:20 – Digitale Infrastruktur: ePA, eRezept, TI & neue Chancen 08:10 – Primärversorgung vs. Primärarztsystem: Begriffe & Konfliktlinien 12:30 – Hausärztliche Perspektive: Steuerung, Realität & Überforderung 17:10 – Patientensteuerung: Akzeptanz, Nutzen & Kommunikationsproblem 21:00 – Digitale Front Door & 116 117: Wohin steuern wir wirklich? 26:00 – Plattformfrage: Wer steuert Versorgung und Termine? 31:10 – Rolle von Apotheken, Pflege & neuen Gesundheitsberufen 36:20 – Vergütung als größter Hebel für Veränderung 41:00 – Asynchrone Kommunikation, KI & Entlastung der Versorgung 46:30 – Warum Technologie allein das System nicht retten wird 50:20 – Thesen der Gäste: Was kommt 2026 wirklich? 56:00 – Fazit, Ausblick & Verabschiedung
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Transkript anzeigen
00:00:00: Jan Zeggel: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von All About Telemedizin. Etwas anderen Format in größerer Runde. Mein Name ist Jan Zeggel. Ich bin Podcast-Host und Gastgeber und wir wollen heute einen Ausblick auf das Jahr 2026 wagen. Dieses Jahr ist jetzt gut drei Wochen alt. Wenn man auf so die gesamte Nachrichtenlage schaut, ist in diesen drei Wochen schon mehr passiert als in manchen Jahren komplett. Und das gilt auch tatsächlich ja für die gesundheitspolitischen Diskussionen. Also auf den Neujahrsempfängen der Verbände Und Verbandsgruppen wird schon fleißig diskutiert denn aus dem BMG liegen konkrete Reformvorschläge auf dem Tisch und wir wollen heute einen Blick drauf werfen, darüber diskutieren, das einordnen, auch unseren Blick darauf geben und da habe ich mir auch wirklich echte Experten aus der Praxis eingeladen.
Herzlich willkommen, liebe Luisa. Luisa Wasilewski, du bist Unternehmerin Beraterin,: also bewegst dich ja zwischen den Welten kennst Start-up, Krankenhaus, Verband, bist im Vorstand des Arbeitskreises eHealth von Bitkom, jetzt auch frisch im Programmvorsitz von der DEMEA, also von daher, ich glaube, da können wir, also sind wir sehr gespannt auf deine Einordnung der Themen, dann herzlich willkommen auch lieber Stefan, Stefan Spieren. Du bist Hausarzt aber nicht nur Unternehmer als Arzt, sondern bist auch im Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung als Unternehmer unterwegs, hast unter anderem das Digitale Facharzt- und Gesundheitszentrum gegründet. Darüber hatten wir auch schon eine separate Folge gemacht, also die Ohne-Arzt-Praxis.
Also sehr, sehr spannend, auch die Erfahrung von dir dort heute zu hören und dann mit dabei auch dir herzlich willkommen, lieber Timo, Timo Frank. Von der Gematik dort jetzt in der neuen Stabsstelle Versorgung tätig Du warst vorher auch in verschiedenen Digital Health Unternehmen: aktiv, hast digitale Lösungen aufgebaut, mitentwickelt und bist auch Gründer von Hashtag Gesundheit, vor allen Dingen für Young Professionals im Gesundheitswesen engagiert. Also, wie ich persönlich finde, eine sehr spannende Runde. Und auch herzlich willkommen an alle, die heute live zuschauen über LinkedIn oder über YouTube. Stellt gern eure Fragen und Themen, die euch interessieren in die Kommentare. Also wir werden untereinander jetzt anfangen in die Diskussion gehen, aber wollen natürlich auch wissen, was treibt euch um? Was sind die Themen, die für euch wichtig sind? Wo wollt ihr vielleicht auch von den Expertinnen eine entsprechende Einordnung haben? Wir haben nur heute eine knappe Stunde, also wir werden natürlich nicht schaffen, wirklich richtig in die Tiefe zu gehen, aber wollen einen Überblick geben über das, was aus unserer Sicht die relevanten Themen und Trends für das Jahr 2026 sind.
Und ich: würde sagen, it's crunch time, würde man im Sport sagen. Also es knackt und knirscht an allen Enden Wir haben eins der teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Ich habe gerade nochmal nachgeschaut. Also ich glaube 25, knapp 500 Milliarden Euro für Gesundheitsversorgung in Deutschland ausgeben. Also jeden Tag mehr als anderthalb Milliarden Euro. Gleichzeitig wenn man auf Output schaut, sind wir eins der OECD-Länder mit der niedrigsten Lebenserwartung. Also Ausgaben und Output stehen nicht in einem richtigen Verhältnis Und wir haben einfach ein massives demografisches Problem hier 40 Prozent der Hausärzte sind über 60 und da freue ich mich auch zu diskutieren wie sinnvoll ist dann die Einführung eines Primärarztsystems wenn gefühlt 50 Prozent derjenigen in den nächsten fünf Jahren nicht mehr in der Versorgung tätig sind.
Also das sind so ganz persönliche Gedanken, die ich habe, die ich freue, wenn wir die gemeinsam miteinander diskutieren. Und ja, aber lasst uns vielleicht mal rein starten in: die Themen. Die Krankenhausreform soll angepasst werden, neue Digitalgesetze sind angekündigt, es soll eine GKV-Finanzreform geben, eine Apotheken- und Arzneimittelreform, Pflegereform, die Reform der Notfallversorgung soll kommen und wie gesagt Primärversorgung versus Primärarztsystem und das ist nur ein Auszug. Persönlich fühle ich mich überfordert gerade mit der Vielzahl der Vorhaben die angeschoben werden sollen. Luisa? Du hast ja auch einen sehr guten Einblick. Also wie geht es dir dabei, wie guckst du auf 2026?
Luisa Ja, also du sprichst mir direkt aus dem Herzen wenn du das direkt schon mal so rekapitulierst. Ich schaue in der Tat mit gemischten Gefühlen auf 2026 und ein bisschen nervös sogar. Ich glaube, ich habe noch nie... In meiner Karriere nervös auf ein Ja geguckt, in dem Sinne. Aber ich glaube, die Probleme, die wir lösen müssen, die sind so tiefgreifend und so massiv,: dass wir eigentlich alle, glaube ich, kollektiv uns ein bisschen überfordert fühlen und sicherlich auch der Regierungsapparat. Und was mich aber auch ein bisschen nervös macht, ist, Diese ganzen vielen Gesetze, die du gerade schon mal so aufgelistet hast, da drin verstecken sich teilweise auch gut getarnt massive Veränderungen für gewisse Stakeholder. Und ich glaube, der Markt, der rafft das einfach nicht. Der Markt, der blickt gar nicht mehr durch, ist vielleicht auch ein bisschen Verwirrungstaktik von BMG Ich bin mir da manchmal nicht so sicher und das macht mich ein bisschen nervös weil Wenn der Markt nicht mehr durchblickt dann können halt auch Sachen passieren, die dann wirklich schwer reinwiegen und gleichzeitig, hinsichtlich gemischter Gefühle, starten wir das erste Jahr mit EPA, mit E-Rezept, großflächig TI implementiert.
Also die Ausgangsbasis war noch nie besser, wenn man über digitale Infrastruktur redet als wie diesen Januar und deswegen bin ich auch total excited, weil ich sage, gut, das FDZ kommt, EHDS kommt nächstes Jahr Und da kann auch echt viel passieren mit digitalen Geschäftsmodellen und auch: natürlich weiterhin alle Vorarbeit für KI zu machen, die ja recht langsam bei uns losgelaufen ist, aber sie ist losgelaufen. Es ist auch nicht so, dass wir gar keine KI-Use Cases sehen, also es gibt wirklich so, es gibt ein bisschen Nervosität auf der Regierungsseite und Hoffnung auf der digitalen Infrastruktuseite Jan Zeggel: Und gleichzeitig natürlich sehr, sehr viele Interessensgruppen die da mitwirken, gerade im Rahmen der Selbstverwaltung natürlich. Und ja, da springen wir vielleicht mal rüber sozusagen auf den, Auf den anderen Teil des Tisches hier, Timo aus Sicht der Gematik Also ihr wollt ja das Thema Versorgung stärker auch Zentrum rücken, also dann auch Vorgaben seitens der Gematik stärker an den Notwendigkeiten der Versorgung ausrichten.
Da ist diese Stabstelle wichtig Gegründet worden, wo du jetzt auch Teil bist. Also aus der Gematikperspektive was sind da die Schwerpunkte für 26 und wie ordnet ihr das gerade auch ein, was: dort aus dem BMG kommt ja auch unmittelbar als Auftrag teilweise an euch? Timo: Ja, erstmal bevor ich die Gematikperspektive einnehme ganz persönlich ist es glaube ich nichts Neues, dass wir zu Beginn einer Legislaturperiode gefühlt sind wir immer noch am Beginn obwohl es letztes Jahr schon losging, immer neue Reformen wieder angestoßen werden, die aber dieselben Themen betreffen, also Finanzen die stabilisiert werden müssen.
Arzt-Patienten-Kontakte, die zu hoch sind, wenn man sich die OECD-Zahlen anguckt. Das sind irgendwie nie neue Themen. Wir versuchen nur immer einen anderen Ansatz zu finden und sowas wie eine Praxis oder Kontaktgebühr die es vor 15 Jahren gab, die jetzt wieder diskutiert wird. Also man bekommt ja oft, ganz oft das Gefühl eines Déjà-Vus und ich finde deswegen muss es uns gar nicht so überfordern diesen Selbstverwaltungsapparat den uns Geschaffen haben, den wird es zumindest jetzt in den nächsten Wochen und Monaten weitergeben und er ist damit: beauftragt und das sind ja auch die Gesellschafter der Gematik zum Beispiel das Primärversorgungssystem einzuführen zu begleiten und unter anderem hängt da die Gematik auch mit drin und wenn du sagst ja es gibt da noch Aufträge an die Gematik das stimmt und die werden in Zukunft, wurden aber auch schon in der Vergangenheit stärker an Versorgung ausgerichtet.
Also die Stabsstelle Versorgung war mehr so ein Schritt, der vollkommen logisch war, weil wir in den letzten anderthalb zwei, fast schon drei Jahren seit der ersten Einführung des E-Rezepts und den ersten Learnings stärker an der Versorgung ausgerichtet waren. Und das spiegelt sich jetzt mehr und mehr in der Aufbauorganisation, also unserer internen Organisation wieder, was es hilfreicher macht, nicht nur für uns, sondern halt auch für die gesamte Versorgung weil so wird dann ein Primärversorgungssystem möglicherweise auch Schneller digital sichtbar und überfordert nicht die hausärztliche Versorgung, wenn ich jetzt auf Stefan gucke, der dann vielleicht noch mehr Patientinnen und Patienten bekommt, als er jetzt schon hat, die aber digitaler: einsteuern kann in die fachärztliche Versorgung. Also ich sehe da relativ positiv auf Speziell das Thema Primärversorgung, weil ich glaube, dass es uns allen hilft und nicht nur den Stakeholdern also den Ärzten sondern vor allem Patienten, die das erstmals als Einschränkung erleben werden, weil Facharzttermine nicht mehr frei zugänglich sein werden, aber dadurch eine bessere Koordination erfahren. Jan Zeggel: Da sind ja jetzt Themen Wie rund um Termingarantie werden ja diskutiert, also wir sind ja dann immer auch in der Diskussion relativ schnell dabei, sehr, sehr konkrete also aus Einzelaspekte sehr konkret vorzuschlagen, aber einen Großteil offen zu lassen. Man ist ja auch Teil der politischen Folklore, da die einzelnen Positionen deutlich zu machen.
Persönlich ich finde, man sieht das sehr deutlich, während natürlich die arztnahen Organisationen sprechen von einem Primärarztsystem. Aus dem BMG ist der Begriff Primärversorgungssystem etabliert. Ich glaube, das zeigt: schon sehr deutlich, wo wir dort jetzt auch im Rahmen der Reformen wo die Verhandlungslinien auch entsprechend langlaufen. Aber Stefan, bitte. Du bist Hausarzt in der Region Olpe, hast deine Praxis konsequent digital aufgestellt, also Telefonassistent, KI-basierter Telefonassistent, Videosprechstunde, Online-Terminbuchung, das ist alles für dich seit Jahren etabliert und funktioniert. Wie guckst du da gerade drauf als Hausarzt quasi, als einer, der dann ja damit arbeiten muss, was entschieden wird? Stefan: Ich muss nicht arbeiten, ich arbeite total gern damit und ich glaube, ich sehe es auch eher positiv, wenn ich jetzt hier in Richtung Zukunft 2026 oder medizinische Versorgung gucke, denn aus meiner Sicht gibt es eigentlich nichts Gar keine bessere Zeit, jetzt in der Gesundheitsversorgung tätig zu sein als jetzt.
Das sage ich auch immer wieder, da werde ich auch nicht müde.: Die Problematik ist ja eigentlich, dass die Veränderungen sage ich mal, so schwierig sind in der Medizin weil wir einfach gewachsene Rollen und Erwartungen haben Seien es der Patientinnen und Patienten, aber auch Machtverhältnisse. Und das ist eigentlich das Problem, was uns daran hindert uns zu verändern und in eine Richtung zu gehen, die jetzt einfach Zukunft ist. Und wir machen das konsequent seit über zehn Jahren mittlerweile. Das hat viel mit Veränderung bei mir selbst zu tun, also bei mir als Arzt, bei meinem Denken als Arzt. Das hat aber auch viel damit zu tun, wie ich mit meinem Team umgehe. Das hat aber auch viel damit zu tun wie ich mit meinen Patientinnen und Patienten umgehe. Und nichts ist schwieriger als Veränderung Und da muss jetzt einer mal klare Kante zeigen und sagen, es muss sich etwas verändern. Und das ist das, was ihr ja alle drei schon gesagt habt. Keiner sagt es ja so richtig, alle wissen, wir müssen es tun. Und da müssen wir jetzt mal hin. Das muss die Selbstverwaltung klar sagen.
Und das muss logischerweise auch die Politik sagen. Für die Politik ist es so schwierig, weil Die Veränderung die sie jetzt sagt, ist halt eben nicht so nach: dem Motto Steuererleichterung etc. pp., sondern in der Medizin heißt es, und Timo, du hast es gerade gesagt, es wird sich dahingehend etwas verändern, dass man beispielsweise nicht mal sich überlegen kann, ich habe Rückenschmerzen und meinen Rückenschmerzen gehe ich heute zu den Orthopäden A, morgen zum Rückenspezialist B und übermorgen zu dem Nächsten auch schon wieder hin. Ich mache noch zwischendurch zwei oder drei MRTs und überlege mir dann, Ja, wer gefällt mir am besten mit der Aussage? Ich habe dafür studiert, dass ich weiß, was man tut bei einer bestimmten Erkrankung. Woher soll ein Patient wissen, wo er hin muss? Und wir müssen diese Lenkungssache hinkommen, wo alle anderen Länder ja schon fast sind. Wir müssen Patienten erklären, dass die Lenkung nicht nur Einschränkung ist, sondern dass Lenkung vor allen Dingen Bessere Qualität in der Versorgung ist. Und dann müssen wir gleichzeitig uns als Ärztinnen und Ärzte gefallen lassen, dass wir auch, ich sage es mal vorsichtig, kontrolliert werden in dem, was wir an medizinischer Leistung erbringen.
Ja, ist ja die Geschichte mit erster erster Vorhalte Pauschale, jetzt werden wir kontrolliert dass wir viel impfen. Nee, wir werden nicht: kontrolliert, dass wir viel impfen, sondern wir werden im Prinzip, ich sage mal, uns wird gesagt, denk an deine Pflicht Überimpfungen aufzuklären und impf bitte. Das hat nichts mit Kontrolle zu tun. Man kann alles negativ auslegen. Da sind wir Ärztinnen und Ärzte vielleicht sogar ganz gut drin, indem wir die gewachsenen Strukturen gerne beibehalten wollen. Aber wir müssen anfangen umzudenken. Wenn wir das können, sehen wir, dass bessere Strukturen wachsen werden. Wir werden Patientinnen und Patienten besser an Fachärzte vermitteln können, die es brauchen. Und da müssen wir halt Jan Zeggel: Also An sich für dich ein sehr starkes Plädoyer für eine stärkere Patientensteuerung. Es sind aus meiner Sicht zwei zentrale Fragen. Wer steuert denn eigentlich wohin und wie sorgen wir dafür, dass über so eine solche Steuerung keine Nadelöhre entstehen, weil dann doch zu viele Patienten in eine gewisse Richtung gelenkt werden.
Das ist ja eine der ganz: zentralen Fragen, weil damit verbunden ist natürlich auch, ja, where the money flows an der Stelle. Ja, Kassen wollen steuern die KVen bauen eigene Versorgungsplattformen auf, die Hausärzte sagen, wir wollen auch eine eigene Versorgungsplattform aufbauen. Industrieplayer, die entsprechende Angebote im Markt haben, wir haben jetzt Retailer die sagen, hey, wir wollen da irgendwie auch eine Rolle spielen, weil wir haben einen sehr guten Zugang zum Patienten, zum Kunden, also wie ist da euer Blick drauf, also wirklich offene Frage in die Runde, Luisa, also da vielleicht magst du anfangen.
Luisa Ja, also vielleicht hat der eine oder andere von euch gesehen, dass ich Anfang der Woche einen Post gemacht habe, genau zum Thema Patientensteuerung und gezeigt habe, dass es eigentlich schon ganz gute Prozesse auch in Deutschland gibt, datenbasiert zu steuern Und in meiner Reise war sogar der Fall, dass ich nicht zum Hausarzt geschickt wurde und das war zu ehrgeizig Wirklich: extremer empörung geführt also ich habe kommentare gesammelt was für ein hausarzt bashing ich betreiben würde was für eine furchtbare person ich im prinzip bin weil ich halt geschrieben habe zum glück wurde ich nicht zum hausarzt geschickt was nicht heißen soll dass man hausarzt ein furchtbarer hausarzt ist sondern einfach es hätte mich ja es hat mir als stundenlanges warten erspart obwohl eigentlich schon klar war dass ich halt zu einem pacharzt muss und das wurde gemeinsam mit mir anhand meiner daten innerhalb der 116 117 besprochen Und in dem Falle für meine individuelle Reise war das super, weil es hat mir Zeit gespart, es hat Kosten gespart und mir wurde direkt geholfen. Und ich glaube, also das hat... Das fand ich total interessant, wie gleich so ein Hausarzt-Bashing da emotional reininterpretiert wurde. Hat auch wieder gezeigt, Stefan, du bist ein super digitaler Arzt, der sich mit Veränderungen auseinandersetzt der auch bereit ist, Sachen auszuprobieren die vielleicht erst mal anstrengend sind.
Und was ich aber total schade finde, ist, dass so unterm Strich die Hausärzte, und es sind natürlich nicht alle gleich, aber gefühlt die Wahrnehmung ist, dass die Hausärzte: sich doch recht Sperren. Und dann fragt man sich, und jetzt wollen wir aber alles über die Hausärzte routen. Schwierig Also ich muss auch sagen, ich würde mir wünschen, dass wir es schaffen, die Einfallkanäle mehr breiter aufzustellen. Die 116107 hat bei mir super funktioniert. Toll dass sie da ist. Aber auch da, irgendwann kann das nicht mehr irgendeine Hotline mit echten Menschen, also irgendwann muss auch da eine KI irgendwie rein oder irgendeine Art von datenbasierten, regelbasierter Steuerung rein. Aber es ist noch total unklar, wer macht das? Ja, klar, die 106, 107 ist eine super Anlaufstelle, aber könnte das auch ein anderes digitales Tool machen? Und wo wird dann übergeben an den Arzt? Wo wird übergeben an eine vielleicht von der KV gesteuerten Steuerung? Und das sind echt noch große, große Fragen. Ich würde mir aber wünschen, dass wir das schaffen, mehr in dem Ökosystem zu denken und nicht alles jetzt über eine Telefonnummer und über einen sozusagen den Hausarztstand durchzupressen, weil das wird, glaube ich, relativ schnell in sich selbst implodieren.
Stefan Ich glaube auch gar nicht, dass: das, also das klingt natürlich immer so, und dann sind wir Hausärzte natürlich da und sagen, oh, wir haben eh schon zu wenig Zeit, das müssen wir noch mehr Zeit zum Sortieren schaffen, dann kommen die Fachärzte an und sagen, wir kriegen dann keine Patienten mehr ab. Wenn ich das, was ich politisch mitbekomme sehe, denkt so eigentlich kein Politiker nur das macht natürlich tolle Schlagzeilen aus. Also natürlich muss es so sein, dass du als Frau mit einem Problem, was ich als Mann nicht haben kann, nicht bei einem Hausarzt landest, sondern in Anführungsstrichen bei einer Gynäkologin, um das mal als klassisches Beispiel zu nehmen. Das ist, glaube ich, aber jedem klar. Genauso wie jemand, der einen gebrochenen Arm hat, der landet auch nicht erst beim Hausarzt. Das sollte eigentlich jedem klar sein, aber das ist natürlich nicht so sexy, das zu In einer Schlagzeile zu bringen. Also stelle ich mich hin und schimpfe erstmal auf alles. Aber das können wir halt nun mal am besten. Und ich glaube genauso wie du, die 11.6, 11.7 macht einen super Job. Wir haben das über die Videosprechstunden-Erfahrung gesehen, die über die Weihnachtstage lief.
Jan, da kannst du noch viel mehr zu sagen. Entscheidender Punkt ist erstmal, dass wir aufhören zu glauben, dass wir Patienten erklären müssen, wie: es läuft. Ja, wir müssen denen zwar erklären, in welche Richtung es läuft, aber Patienten können gut entscheiden, können auch gute Entscheidungen treffen, wenn sie erklärt bekommen, warum gewisse Punkte so laufen. Das rufst du bei irgendeinem Roboter an, dem du deine Beschwerden schilderst, also ich sehe auch gar keinen Menschen, der das als erstes macht, der kann dich doch schon mal wegsortieren. Das klingt jetzt negativ, aber wenn wir von 100 Anrufenden schon mal 50 in eine Richtung kriegen, Und meinetwegen von mir aus ich bin jetzt mal ganz provokativ in die Apotheken Richtung, hol dir eine Creme für die trockene Haut. Dann haben wir schon mal 50 Prozent der Patienten geholfen. Die anderen 50 müssen auch nicht alle zum Roboter. Von denen können da wieder ein Viertel über den Roboter laufen, der andere über den Menschen. Und wenn wir da in die Richtung denken, haben wir auch eigentlich keinen Hassel an der, dass irgendeiner zu viele Menschen und irgendeiner zu wenig mitkriegt.
Das Blöde ist nur, jetzt sind meine Kolleginnen und Kollegen, Jan, du hast es gesagt, einfach ein bisschen älter. Und wenn ich mal 62 bin, dann habe ich vielleicht auch nicht mehr diesen: Antrieb, dass ich sage, ich mache alles, was nagelneu ist. Das spreche ich auch niemandem ab, das möchte ich auch nicht für mich behaupten, dass ich das irgendwann noch tue Ich glaube aber schon. Aber der entscheidende Punkt ist, die müssen wir auch mitnehmen und denen müssen wir ein Angebot machen im Sinne von, ich sage jetzt mal bewusst KBV oder Selbstverwaltung. Hier, ihr könnt euer Telefon über XY routen wir sortieren euch die Patienten hin und her und ihr kriegt nur noch die Patienten in eure Hausarztpraxen, die für euch Sinn machen. Und das ist genau was du sagst das ist der Ansatz Wir brauchen eine Plattform, die ganz viel, einen großen Trichter hat, wo ganz viel reinkommt und unten eine gemeinsame Lösung gibt. Jan Zeggel: bleibt aber die zentrale Frage, wer diese Plattform betreibt, entscheidet ja darüber, wohin der Patient geht und wo dann am Ende natürlich auch dann entsprechend Geld verdient wird mit der Leistung die am Patienten erbracht wird. So und da haben wir jetzt ja sehr unterschiedliche Akteure die einen Steuerungsanspruch für sich dann auch erheben.
Das ist aus meiner: Sicht eine ganz zentrale Frage, die da ja da oben drüber schwebt und ich glaube, das wird auch der kritischste Punkt in diesen Verhandlungen aus meiner Sicht werden, wer diese Steuerungshoheit hat. Ich glaube, über die Logik an sich, Besteht hier Konsens, was passieren muss. Da gab es jetzt auch ein paar interessante Beiträge. Ich würde hier mal ein paar mit einblenden um auch unser Publikum mit einzubinden. Julia Gockel schreibt, Stefan: Vielen Dank. Jan Zeggel: bist Juristin, Professorin. Also wenn wir Primärversorgung stärken wollen, muss eigentlich die freie Arztwahl eingeschränkt werden. Ja. Interessanter Begleitkommentar Man macht nochmal ein ganz anderes Fass auf, aber glaube ich ein ganz guter Impuls auch für die weitere Diskussion und Sabrina Witte schreibt, wie soll ein Primärarzt-System wirklich lenken?
Viele Patienten haben keinen Hausarzt Viele Hausärzte, die heute noch da sind, werden in den Ruhestand gehen.: Praktiken sind voll. Ist nicht digital vor ambulant der richtige Weg? Also Symptome abfragen im Sinne auch von Software. Du hast es Roboter genannt, Stefane und dann die Entscheidung zu machen, aber nicht immer zwingend als allererstes zum Hausarzt. Das ist jetzt mal meine Lesart hier. Auch sehr, sehr gut in Richtung Apotheke. Wir setzen ja auch gerade Konzepte um für assistierte Telemedizin in der Apotheke, also dass dort auch technische Voraussetzungen geschafft werden, in der Apotheke digital einen Arzt zu sprechen. Und dann kann ich, wenn ich das als Patient möchte, vor Ort auch beraten werden, Zu entsprechend E-Rezept und Medikation. Ja, wie ist da, gibt es da noch eine, vielleicht auch Timo aus deiner Sicht, wie ist so die Gematik Gematik-Sichtweise auf dieses Steuerungsmechanismus? Luisa: bauen, Timo. Baut doch mal eben die Plattform.
Timo Ne, zur Plattform komme ich gleich zu sprechen. Also wie auch vorhin bevor ich die Gematikperspektive einnehme: wir sollten die Patientenperspektive einnehmen. Wer hier steuert ist vollkommen egal, der Patient sucht sich den Weg des geringsten Widerstands. Der lässt sich nicht steuern wenn der gesteuert wird. Dann läuft dann die Notaufnahme, weil er die Steuerung nicht kapiert oder so. Also diesen Worst Case, den es heute schon gibt, muss man sich einfach mal vor Augen halten. Das System steht und fällt mit der Akzeptanz der Patienten und nicht alle Patienten lassen sich steuern. Und bevor wir auf die Plattform zu sprechen kommen, müssen wir das Thema Primärversorgung erstmal undigital denken. Weil viele Menschen in Deutschland sind nicht digital, die werden das Primärversorgungssystem ganz analog in Anspruch nehmen. Das heißt, sie werden weiter zu einem Haushalt, der ihnen zugeteilt wird, gehen müssen oder wollen. Und ganz undigital wird es dann auch weiter irgendwie Überweisungen geben. Und die Überweisungen werden dann auf einmal nicht über die 11.6, 11.7 digital oder telefonisch über einen Callcenter eingesteuert sondern über Stefan, der dann eine Überweisung ausstellt, die dann vielleicht auf der Karte landet und dann vielleicht wie beim E-Rezept ein bisschen digitaler läuft.
Also Primärversorgung funktioniert: auch so und Steuerung kann auch ökonomisch funktionieren. Also Versicherte könnten auch Wahltarife angeboten bekommen, so wie das im Ausland der Fall ist. Also einen reinen Digitaltarif der dann vielleicht günstiger ist. Also so kann man Patienten ja auch steuern. Einmal nur die Perspektive, dass man Patienten auch anders steuern kann als immer nur diesen Digital-Only-Weg Denen nicht alle Menschen in Deutschland mitgehen, meine Eltern zumindest nicht. Die lassen sich digital gar nicht einsteuern. Die werden das analog machen. So, zweiter Punkt zur Plattform. Das Kommentar gerade ist ja total richtig. Digital vor ambulant, in Klammern vor stationär, ist auch so im Koalitionsvertrag schon angelegt Deswegen reden ja alle gerade über die Plattform. 11.6 11.7 steht schon so im Koalitionsvertrag. Ist digital Gar nicht verwunderlich warum jetzt alle natürlich Anspruch erheben auf, ich möchte über diese Plattform steuern.
Es wird auch gar nicht eine Auswahl getroffen werden müssen auf, der oder die ist der richtige Steuerungsakteur, sondern vermutlich wird es einfach verschiedene Eingangskanäle geben.: Die sehen dann die Patienten-App, die Stefan mir als Hausarzt anbietet als Eingangskanal und die greift aber auf dasselbe Termin-Backend zu. Also am Ende geht es ja um eine Zentralisierung der Terminangebote im Hintergrund, die aktuell dezentral verteilt sind über privatwirtschaftliche Anbieter Und eine 11.6.11.7, die unterschiedliche Backends, deswegen ja unterschiedliche Kalender auch haben und dann steht die große Frage im Raum, was ist überhaupt ein Anlass für einen Termin also muss ich überhaupt einen Termin haben oder brauche ich den Termin gar nicht, weil ich einfach nur eine Videosprechstunde brauche, eine telefonische AU oder eine komplett digitale. Und ich glaube, der politische Machtkampf ist vorprogrammiert, den wird es geben. Grundsätzlich sollten wir uns aber darauf einigen, den Patienten zum richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt in die richtige Versorgungsebene zu lotsen. Und da ist es eigentlich egal, ob das... Die 11.6.11.7 am Telefon macht, digital macht oder die Krankenkasse macht.
Entscheidend ist ob am Ende ein: Angebot rauskommt, das den Patienten nützt. Ich glaube, alle wären in der Lage, Patienten irgendwie ein Frontend anzubieten, das nutzerfreundlich wäre. Stefan: Ich glaube auch ganz viel. Jan Zeggel: Du brennst unter den Nägeln, du willst unbedingt auch was dazu ergänzen. Stefan: Der entscheidende Punkt ist ja, ich verstehe dich Luisa und ich verstehe auch alle Anbieter wir haben ja bisher nur über die Deutschen gesprochen, es gibt ja noch ein paar andere und jeder möchte jetzt sagen, mein Schüppchen ist das Größte im Sandkasten Aber der entscheidende Punkt ist ja, lass uns wieder da gucken, wo Timo gerade war, bei den Patientinnen und Patienten. Wenn wir Patientinnen und Patienten erklären, welchen Mehrwert sie haben, egal über welches System sie reinkommen, ob sie nun bei mir in Praxis stehen und sagen, ich will jetzt Ja, oder ob sie am Telefon sind oder beim Online-Termin und schnurzpiepegal. Eigentlich, der Patient muss das allererstes mal verstehen, warum wir das tun, was wir tun.
Ja, einfachste Erklärung ist dann, mit überhaupt einen Termin bekommst. So, und dann muss er vielleicht auch Entscheidungen verstehen. Ja, Luisa, du hast ja eben selber gesagt, wenn der Patient versteht es macht halt eben keinen: Sinn, erst ein MRT zu machen und dann einen Arzt zu fragen, ja, muss man ganz provokativ zu sagen, dann ist es etwas, was der Patient beim spätestens zweiten Mal auch dann akzeptiert und dann lässt er sich lenken. Aber da sind wir noch gar nicht. Aktuell wird überall geschrieben, wir kriegen so ein System und demnächst kriegst du gar keinen Termin mehr. Und ich glaube, das ist das Falsche Wir müssen Patienten und Patienten erklären und wir machen das im Rahmen von Digital-Trainings warum wir gewisse Dinge so tun. Und wenn der Patient sich dann in Anführungsstrichen in diese eine Schiene bei uns rein lenken lässt, dann hat er Vorteile dadurch. Und wenn der Patient Vorteile sieht, ich meine, das wissen wir doch von uns selbst, ja, also ich mache immer das, was für mich am einfachsten ist, Timo du hast es gesagt, und was mir die meisten Vorteile bringt.
Und das ist in der Medizin und in der Lenkung auch nicht anders. So, und deswegen sollten wir, wir Ärztinnen und Ärzte Fachärzte Hausärzte oder welche Verbände auch immer, uns da jetzt nicht, sag ich mal, die Köpfe einschlagen, sondern vom Patientenhaus denken. Und dann wird es eigentlich relativ einfach, würde ich behaupten.: Jan Zeggel: Also auf der Mikroebene mach du mal zuerst, Luisa, weil ich würde gern nochmal auf den Punkt Dann eingehen es braucht ja eine Architektur die eine zentrale Datenhaltung ermöglicht wirklich überregional freie Termine dann auch zugänglich zu machen, diskriminierungsfrei. Es sind ja alles Aspekte, die da eine Rolle spielen und da haben wir momentan sehr viele, ja zum Teil auch privatwirtschaftliche Akteure die Geschäftsmodelle aufgebaut haben da drauf. Also wie geht man denn damit um? Das sind dann ja auch wettbewerbsrechtliche Fragestellungen die einhergehen, aber das können wir dann vielleicht gleich nochmal anschließen. Den Gedanken wollte ich nur schon mal loswerden. Luisa: Ja, super Jan. Also Timo, sozusagen eine Sache, die du gerade gesagt hast, die hat ein bisschen im Kopf so eine Lawine gerade ausgelöst mit Patienten lassen sich nicht steuern, die landen dann eh in der Notaufnahme. Also ich gebe dir total recht, dass sich nicht alle Patienten steuern lassen. Und das, was Stefan auch gerade gesagt hat, wenn man Patienten informiert, dann lassen die sich schon steuern.
Also ich glaube, das ist total eng verknüpft mit dieser Gesundheitskompetenz.: Und ich glaube auch, dass wir das runterbrechen müssen. Wir müssen runterbrechen was sind eigentlich die Use Cases, ja? Akutversorgung ist was ganz anderes, als wenn ein chronisch Diabetes-Kranker einfach zu seinem Regeltermin immer wieder erscheint Bis hin zu eben die, die digital affin sind. Die können eben vielleicht in einer Videosprechstunde abgehandelt werden. Und ja, meine Eltern die Die rufen auch nicht die 116, 117 unbedingt von alleine an, außer sie haben so einen Code gekriegt und wollen jetzt doch noch irgendwo einen Verratstermin bekommen. Dann schaffen die das sogar auch. Und ich glaube, was wir auch machen, gerade im System, und das wird auch ein super wichtiger Punkt für 2026, wir verteilen die Last auf verschiedenen Schultern.
Apotheken können auf einmal auch impfen. Es soll kommen, dass Apotheken in gewissen Umständen sogar verschreiben dürfen. Ich glaube, das wird auch im Pflegebereich kommen, dass, Die die Pflegekräfte wieder mehr machen dürfen, als sie jetzt gerade dürfen. Es wurde so ein bisschen zurückgedreht aber ich glaube, es wird sich eher wieder dahin bewegen, dass Pflegekräfte wieder mehr machen dürfen, was heute eigentlich ein Arzt machen: muss, weil es einfach gar nicht mehr anders gehen wird. Also wirklich die Use Cases definieren, dann runterbrechen braucht man da überhaupt Kassenärzte? Was kann vielleicht sogar in den Privatsektor rutschen? Das wird sich so ergeben, so Markt versus GKV, dann wird der Kampf entstehen. Aber ich glaube, es wird auch Themen geben und Patientenreisen geben. Das wird nicht über die 116, 117 in Zukunft gehen. Und da wird dann der Privatmarkt halt vielleicht für gewisse Use Cases, Früherkennung geht ja schon ein bisschen in die Richtung, Prävention. Das muss dann vielleicht nicht jede Kasse machen. Das macht man dann vielleicht out of pocket, will vielleicht auch keiner hören aktuell. Aber anders werden wir das ja alles nicht mehr stemmen können in Zukunft. Jan Zeggel: Also du machst ja gerade den Fokus nochmal auf, vielen Dank auch dafür, dass wir sozusagen auch das Steuer-, also Primärversorgungssystem jetzt nochmal den Blick richten auf die anderen Stefan: 2020
Jan Zeggel In dem Zusammenhang hat auch Andreas Lenz, der Vorstand BKK-Falz sich geäußert Wir brauchen andere Akteure, einen Mix aus Medizin Apotheke Nurse,: Digitalprofi. Vor allem empathisch in der Kommunikationsebene der Patienten übersetzen. Also unterstützt auch nochmal das, Stefan, was du gesagt hast. Also Kommunikation, Erklären ist ein ganz, ganz wichtiges Element, um auch die Akzeptanz dafür zu schaffen. Aber da kommen wir wieder an den Punkt, wer macht das denn, ja, und wer hat auch die Zeit dafür, das zu tun? Wir haben es gesehen jetzt, wir fanden es eigentlich sehr schön bei der EPA-Einführung ne, Alle haben gesagt, die EPA, also wir haben gar kein Mitspracherecht, also wir klären jetzt irgendwie auch nicht so richtig darüber auf. Das sind doch diejenigen, die sagen, die gezahlt haben, die müssen dann auch dafür sorgen, dass entsprechend die Aufklärungskampagnen dazu laufen.
Und heute haben wir ja nach wie vor die Situation, dass über die EPA extrem viele Mythen existieren, Unwissenheit, vor allen Dingen auf Patientenseite auch. Und die Vorteile nicht klar kommuniziert sind. Also wie schaffen wir es denn bei diesen Themen, die ja noch viel: unmittelbarer für die Patienten sind, das besser zu machen? Stefan: Es ist relativ einfach. Wir müssen es machen. Da können wir nicht sagen, so die Krankenkassen müssen wir die EPA aufklären. Das haben wir von Anfang an auch nicht getan bei uns. Nie. Weil ich immer gesagt habe, dieses Dauernde der andere ist zuständig, ich kann es schon nicht mehr hören. Natürlich bin ich nicht zuständig. Aber ich mache es mir doch viel einfacher, wenn ich, wie Andreas gerade gesagt habe, einen Akteur habe, der es vielleicht möchte. Wenn ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erkläre pass mal auf, drei Sätze zur EPA und wir haben es alle einfacher Und da müssen wir hin. Ja klar, kommen wir da wieder an, wir haben genug zu tun, aber das bringt uns ja nicht weiter. Immer dieses nach hinten denken. Wir müssen nach vorne denken. Wir haben dafür die Diva, sag ich mal, als neues Berufsbild uns überlegt, dass wir gesagt haben, klar, Timo hat es gesagt, nicht alle können digital. Also brauchen wir ein Bindeglied, ich sag mal, zwischen dem, in Anführungsstrichen Smartphone und dem Menschen, der da sitzt.
Wir können nicht von jedem alles verlangen. Und wir brauchen solche neuen Menschen, Akteure, Digital-Lotsen nennen sie wie sie will, es ist ganz egal.: Wir brauchen erstmal welche, die wollen. Und wir haben uns immer gesagt, wir sprechen mit Menschen, wir erklären das. Und je mehr wir mit Patientinnen und Patienten sprechen, ihnen erklären, in welche Richtung wir gehen, umso mehr Akzeptanz haben wir für das, was wir vorhaben. Und da müssen wir noch viel lernen. Entweder muss der Gesetzgeber sich überlegen, ja, ich Ich habe da jetzt einen neuen Beruf für und KI war ja eben auch schon mal Thema. Was wird KI tun? Ich bin mal ganz provokativ, es wird unsere Praxen auf den Kopf stellen. Ganz viele Tätigkeiten die in meiner Praxis erfolgen müssen von Menschen, wird KI übernehmen.
Entweder ich akzeptiere das oder ich akzeptiere das nicht. Unternehmen wie Steuerberater und Rechtsanwälte sind da. Weiter als wir. Und da können wir immer mit Datenschutz um die Ecke kommen. Das ist alles schön und gut, aber das lässt sich ja alles abfangen und regeln. Nur es wird sich dort in den nächsten fünf Jahren ganz viel Veränderung zeigen, die den Patienten mitnimmt und die den: Patienten auch neue Möglichkeiten bietet. Da müssen wir uns damit konfrontieren lassen, dass ein Irgendwie GPT mir erklärt, dass das, was ich gestern mit dem Patienten besprochen habe, natürlich aufgezeichnet wurde in der Videosprechstunde, auch wenn man es nicht darf, also nicht von meiner Seite, sondern beispielsweise von Patientenseite, transkribiert übersetzt und dann heißt es, guck mal nach Leitlinie Stefan, hast du das nicht so gemacht, wie du es gerade machst. Das wird kommen. Das ist ja nichts Neues. Also bin ich doch klug wenn ich mir von vornherein diese Technik selbst ins Haus hole. Da müssen wir hindenken und... Das wird uns entlasten und dann haben wir neue Berufsbilder die Patientinnen und Patienten dahin führen. Ich glaube da fest dran.
Jan Zeggel Also neues Berufsbild, also das zu etablieren Menschen auszubilden da reden wir ja über Jahre oder sogar Jahrzehnte, aber die Herausforderungen sind ja jetzt. Also die Hütte brennt die Kosten laufen aus dem Ruder. Also gibt es eine schnelle Lösung für die Themen, die wir gerade: besprechen? Also ist das überhaupt realistisch möglich? Timo: So ein bisschen passiert das doch heute schon, ohne dass wir die neuen Berufsbilder haben, also dass bestimmte Tätigkeiten delegiert werden und nicht mehr ärztlich erfolgen, sondern MFAs, Pflegekräfte das übernehmen. Das passiert ja heute schon, vor allem bei Chronikerbetreuung und das führt im Ausland sieht man das ja, die mehrheitlich primär versorgen tätig sind, dass Nurse Professionals oder Physician Assistants, dass die dazu beitragen, dass Arzt-Patienten-Kontakte, also die echte ärztliche Konsultation sinkt Also die ist ja bei uns bei neun Arzt-Patienten-Kontakte pro Jahr pro Bürger in anderen Ländern bei 2, 3, 4, 5 und im OECD-Durchschnitt bei 6.
Also allein mit dieser Delegation oder Substitution, noch ein härteres Wort, von Leistung des ärztlichen Kosmoses könnte man ja auch durchaus die Anzahl der Arzt-Patienten-Kontakte reduzieren. Und dann müssen wir über die Art der Leistungserbringung sprechen. Also welche Art: von Leistung medizinischen Leistung soll dann Stefan als primär versorgende Arzt Erbringen, also es muss nicht mehr jeder Arzt jeder Patient zu ihm kommen, sondern manche können eben, wie gesagt, delegiert werden, andere können vielleicht sogar digital abgefangen werden und dann reden wir über das, was Luisa schon angesprochen hatte, das Thema Eigenverantwortung oder Selbstzahler, Privatmarkt Also man ist dann in bestimmten Kontexten entweder finanziell gefordert für seine eigene Gesundheit aufzukommen und da tun wir gut daran, wenn wir das nicht Praxisgebühr nennen, sondern das irgendwie fair machen und das irgendwie einkommensorientiert machen Steuern statt Patienten, die vielleicht vulnerable Gruppen sind, ausschließen.
Und vor allem Chroniker verursachen nun mal den Großteil der Kosten im deutschen Gesundheitswesen und die gut einzusteuern, und da reden wir von vielen, vielen, vielen Millionen Menschen, die an den großen Volkskrankheiten erkrankt sind,: Mit denen kann man sehr gut beginnen, in so einem primär versorgenden System Steuerung sich zu überlegen und die Behandlungspfade liegen im Prinzip alle schon auf Tisch. Die haben wir in den letzten Jahren schon alle irgendwie modelliert. Dazu gab es Innovationsfondsprojekte. Es gab verschiedene Patientenreisen, die existieren in der Onkologie, Diabetologie, Kardiologie. Jetzt auf dieses Primärversorgungssystem zu legen, ist kein Hexenwerk mehr. Wie gesagt, andere Länder machen das und wir haben es schon vormodelliert. Jan Zeggel: Aber der größte Hebel ist doch die Verhaltensänderung des Arztes an der Stelle sich darauf einzulassen zu sagen, ich akzeptiere ein Modell eines Physician Assistants Das ist ja eine organisatorische Veränderung in der Praxis zu sagen, ich arbeite kooperativer zusammen Auch mit anderen Gesundheitsberufen zusammen.
Stefan Das PA-Beispiel ist das schlechteste, seien wir nicht böse, sehen jetzt vielleicht andere so. Ich bin Chirurg von Haus aus. Wir haben vor über zehn Jahren schon chirurgisch-technische Assistenten in OPs etabliert die: Kunden zunähen. Die Ärztinnen und Ärzte können das, wir können delegieren, auch wenn wir das, wie wir es nennen, PA, Eva, darum geht es überhaupt nicht. Wir können delegieren das tun auch Hausärzte in ihren Praxen jeden Tag mit MFAs. Es ist ja nicht so, dass jeder Patient, der vorne ist, Am Tresen steht, von einem Arzt triagiert wird. Das macht eine MFA mit viel, mit wenig Erfahrung, das ist das Erste was die MFA in der Praxis lernt zu triagieren. Und wenn da einer steht und sagt, ich habe Luft, ich habe Herz, dann kriegt dieser Patient, diese Patientin, noch bevor der Arzt überhaupt anfängt zu wissen, dass der Patient da ist, ein EKG geschrieben und guckt im Behandlungszimmer aufs EKG.
Dafür brauchst du kein PA, dafür brauchst du auch niemanden anders. Von daher muss Das steht und fällt mit dem Vergütungssystem. Das ist unser Problem. Der PA ist nicht vergütet im System. Jetzt kommen ein paar Verbände an und sagen, wir haben jetzt Vergütungssysteme für den PA, das sind aber wenige Prozent in der: hausärztlichen Versorgung. Einfach mal fair sagen, ob wir es jetzt Teampraxis nennen oder wie wir es nennen, das ist nicht flächendeckend in Deutschland etabliert. Wir brauchen ein Vergütungssystem, das das, was Timo gesagt hat, berücksichtigt Das beispielsweise der Patient, der Diabetes mellitus erkrankt ist, der gut eingestellt ist, der einfach nur läuft und seine regelmäßigen Verlaufsbeobachtungen kriegt, dass der eben Nicht unbedingt in der Praxis sitzen muss, leibhaftig von mir angefasst werden muss. Und dafür bekomme ich nur mein Geld, indem die Karte auch noch in meinem Lesegerät gesteckt wird. Es muss ein Vergütungssystem her, wo dieser Patient, den ich in Anführungsstrichen digital sehe, wo ich auf die Daten gucke, die mir auch aufbereitet wurden von einer KI, dass ich davon... Ich will nicht jammern, auch leben kann.
Das ist momentan nicht so. Ich lebe als Arzt nur davon, dass diese Versicherungskarte plattformuliert in diesem Lesegerät gesteckt hat. Ich werde nicht für Qualität bezahlt So pervers das gerade klingt, je mehr Karten in meinem: Kartenlesegerät gesteckt haben, umso besser ist es für das, was ich bekomme Auf meinem Konto erlebe. Und da müssen wir hin und da müssen wir Ärztinnen und Ärzte umstellen. Das würden wir, glaube ich auch tun, wenn wir wüssten, wir würden dafür vergütet. Nur das Vergütungssystem ist schwierig. Und wenn wir jetzt gucken, wie schwer sich der Gesetzgeber mit der GOE tut, dann wissen wir, wie schwer wir es mit dem EBM haben werden. Jan Zeggel: absolut. Also da gab es auch einen Kommentar eben schon dazu, den brauche ich gar nicht mehr einblenden, hast du mir die nächste Frage vorweggenommen An der Stelle. Aber seht ihr die Bereitschaft der Selbstverwaltung, daran zu gehen an dieses Vergütungsmodell Stefan: von euch möchte, sonst mache ich, aber ich rede gerade schon so viel. Luisa. Luisa: Also, Jan Zeggel: Dank.
Luisa Es ist eine schwierige Frage, Jan, weil du weißt ja, also wir alle wissen es ja eigentlich, dass die Bereitschaft nicht überall da ist. Und das ist kein: böser Wille ja. Kein Ärzteverband oder keine KV oder KBV sitzt da und sagt, wir wollen das System schlechter machen, wir sperren uns jetzt. Das kommt zwar am Ende oft so rüber aber im Kern haben die ja einfach, versuchen die einfach irgendwie, Festzuhalten an dem, was sie wissen, die denken, dass sie es richtig machen oder sie sind vielleicht einfach schlechter überfordert ich weiß es nicht. Aber es ist ja Fakt, dass nicht alle Stakeholder in eine Richtung arbeiten und dass man sich gegenseitig blockiert und die einen sagen, wir müssen irgendwie Sachen streichen, die anderen Sachen, wir müssen irgendwie mehr die Pauschalen erhöhen und mehr von den Patienten einholen aber es gibt keinen richtigen Konsens und das nervt mich auch manchmal, weil der Konsens besteht auf Bundesebene nicht und auf Bundeslandebene eben auch nicht, weil dann wieder Nordrhein was anderes macht als Bayern oder Baden-Württemberg.
Und da haben wir echt ein tiefsitzendes, strukturelles Problem in Deutschland, dass wir nicht an einem Strang ziehen können. Aber ich finde, die Apotheker, die: schlagen sich extrem gut gerade. Ja, die sind total offen. Und dann sind es auf einmal wieder die Hausärzte, die meckern. Ja impfen, das ist Unlass. Und ich denke mir so, ja, dein Zimmer ist doch eh voll. Und ja, du kannst auch immer noch impfen. Mach's auch gerne. Aber ist doch nicht schlimm, wenn die, die es nicht zu dir schaffen, dann in der Apotheke sich impfen lassen. Oder Testkits, auch wieder eine Riesen, wird sich total erschöpft darüber, dass HPV-Vorsorge zu Hause gemacht wird. Ja, die Frauen, die keinen Gynäkologen haben und eh nie beim Frauenarzt sind, sollen die doch mal ab und zu einen Test zu Hause machen. Also das nervt mich dann auch, dass dann immer gegenseitig sich so sehr blockiert wird, weil man nichts vom Kuchen abgeben will. Jan Zeggel: Stefan komm, das muss raus jetzt von dir. Stefan: Ja, nein, Luisa spricht mir ja aus dem Herzen. Also wir können nicht einerseits uns beschweren dass die Wartezimmer voll sind, aber geben nichts ab. Ich verstehe natürlich auch, es ist für den Berufsstand und wir müssen in die Zukunft denken und irgendwann brauchen wir keinen Arzt mehr.
Also wir haben doch schon bei Einführung der Videosprechstunde 2017 fürchterliche Angst: gehabt, dass demnächst Ärztinnen und Ärzte aus Bayern die Patienten in Hamburg versorgen und umgekehrt Oder wir haben Angst gehabt, dass irgendwelche Unternehmen uns das alles wegnehmen und was haben wir jetzt? Also ich mache für meine Patientinnen und Patienten total gerne jeden Tag Videosprechstunden die sind auch total froh, dass ich das mache und ich habe nicht so viele Patienten die irgendwo in Berlin wohnen die meisten sind meine, die Patienten wollen Kurzfristige Antworten meinetwegen in der Videosprechstunde, die wollen mich aber auch mal leibhaftig sehen. Und ich mache mir da diese Sorgen eigentlich gar nicht. Der Patient, der sich meinetwegen jetzt Grippe impfen lässt in der Apotheke, soll er machen, weil er sagt, ja Grippeimpfung habe ich schon 30 Stück beim Hausarzt gekriegt dann soll der Apotheker jetzt auch mal eine machen, so sinngemäß. Wenn der Wenn ein eine Frage hat, die er mit einem Arzt besprechen will, dann geht er nicht zum Apotheker.
So einfach ist das. Deswegen mache ich mir auch keine Sorgen dass Assistenzpersonal für mich irgendwelche Dinge übernimmt. Ich möchte doch als Arzt arbeiten: und nicht Papierkram für irgendwelche Krankenkassen ausfüllen. Da müssen wir uns auch positionieren. Klar, es steht und fällt mit dem Vergütungssystem ab Jetzt ist immer das Henne-Ei-Ding so nach dem Motto wenn man jetzt sieht, man will das Vergütungssystem ändern, machen die Ärzte mit, so sinngemäß. Ich glaube, da müssen wir durchaus auch mal in Vorlassung treten und müssen jetzt mal zeigen, wir machen jetzt mal Videosprechstunde beispielsweise. Das ist für mich so das Beispielthema schlechthin. Videosprechstunden werden irgendwie nicht von jedem Arzt angeboten. Und warum? Weil die Ärzte sagen, meine Patienten machen das nicht. Ich frage mich immer, warum machen meine Patienten das denn alle dann? Ja, und ich habe jetzt ja auch nicht nur 15-jährige Frauen, äh 15-jährige 25-jährige Frauen, die das machen, sondern ich habe ja von, sagen wir mal von zwei Jahre bis 102 Jahre Menschen, die das tun. Und wir müssen da als Ärztinnen uns etwas öffnen und äußern Jetzt mal beim Grundproblem, was du eben gesagt hast, je älter umso weniger bist du bereit, sich zu verändern.
Das ist unser Problem. Also müssen wir da jetzt einen haben, der uns entweder in: den Hintern tritt hätte ich jetzt fast gesagt, ist jetzt nicht so nett und charmant ausformuliert, aber wir müssen, die Ärztinnen und Ärzte müssen gezwungen werden, uns zu verändern. Ich glaube nicht, dass es anders geht, wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückgucke verändern wir uns nur, wenn gezwungen werden. Jan Zeggel: Und auch da haben direkt die Kopplung mit dem Verhütungssystem, was wir eben besprochen haben. Die gleiche Leistung in der Videosprechstunde hat 20, sogar teilweise 30 Prozent Abschläge wie die gleiche Leistung in der Praxis. Ja, also ich glaube, das ist eigentlich ein No-Brainer an das Thema sehr schnell ranzugehen. Und die Statistiken zeigen das ja, 50 Prozent der Praxen in Deutschland, die noch gar nichts digital nutzen, also nicht mal Online-Termin-Vereinbarungen haben, ja, also das Klemmbrett auf Papier ist ja nach wie vor der absolute Standard für die Patientenaufnahme, so, und also... Aber wie schaffen wir das?
Also wir hatten KHZG, dann haben wir gesagt, okay, die Krankenhäuser die kriegen ihre Patientenportale brauchen wir jetzt ein: ambulantes KHZG, wird das am Ende ein Verhandlungsergebnis sein? Timo: Nein glaube ich nicht. Stefan: Ja, ich glaube es auch nicht. Wir brauchen trotzdem sowas. Ja, das hat ja meine KV auch schon durchaus postuliert. Ich glaube schon, man muss sich irgendwie überlegen, so jede Praxis kriegt jetzt mal, ich sage mal vorsichtig, eine Grundausstattung Ich nenne das jetzt mal so. So nach dem Motto ihr kriegt alle eine Videosprechstunde-Lizenz, ihr kriegt alle eine Online-Terminbuchung. Wäre dann natürlich zentral geregelt, wenn wir darüber streiten wer verdient da dran. Aber ich glaube, sowas muss man tun, weil dann gehen die Argumente uns aus, zu sagen, mache ich nicht. Und aktuell diskutiere ich mit Kollegen, die sich dafür interessieren immer darum, ja, da muss ich ja ein Freisprechmikrofon kaufen, das kostet 130 Euro.
Und wenn ich überlege ich kriege für eine Videosprechstunde 5 Euro, dann bis ich das mal amortisiert habe. Solche Diskussionen gibt es, die sind berechtigt Ich bin bei den Kollegen, die sind berechtigt weil die Vergütung halt... Ein Problem ist, auch wenn wir Ärztinnen und Ärzte zu den obersten: Einkommensbezüger in der Form sind aber der entscheidende Punkt ist, wir müssen da einen gewissen Anschub bieten, denn wir haben ja auch den Krankenhäusern geboten Und wenn man sich jetzt überlegt, ich bin jetzt mal ganz böse, was haben die Krankenhaushäuser aus diesem Geld gemacht? Also ich sehe keine Kommunikation per Kim mit irgendeinem Krankenhaus. Ich kriege immer noch Briefe ausgedruckt die vorläufig sind und auf einem Drucker der eine leere Tintenpatrone hatte, ausgedruckt wurden. Das ist natürlich auch so ein Punkt. Jetzt wäre ich Politiker, würde ich sagen, den Krankenhäusern noch mal viel Geld geben. Nichts hat sich verändert. Warum soll man den Hausärzten Geld geben? Man muss immer alle Seiten sehen. Timo: Ja, Jan Zeggel: beleuchten ja heute auch noch einen ganz kleinen Teil. Es geht ja sehr stark um die ambulante Versorgung. Ich glaube, Krankenhaus füllt noch mal weitere Stunden an der Stelle. Aber Timo, du hast da auch noch eine Meinung und einen Blick drauf. Stefan: 2020
Timo Ja, wie es Stefan am Ende gerade gesagt hat, vielleicht ist auch das KHZG das beste Argument dafür, dass es kein Praxis-Zukunftsgesetz und eine Anschubfinanzierung braucht, sondern dass das vielleicht: ganz anders ins Rollen kommt. Nämlich also der erste Schritt ist ja Stadt. Wir verpassen Vergütung an, ist erstmal Zugang beschränken für Patienten. Wird zu einer Last im System führen für Haus- und Primärärzte zukünftig wird das halt eben für mehr Patientenkontakte sorgen. In Klammern wenn wir Digitalisierung als Alternativ betrachten Möglichen Zugangsweg etablieren dann nicht. Also Digitalisierung so ein bisschen als Grundbaustein verstehen für eine Entlastung der Versorgung ist, glaube ich, so angelegt im Koalitionsvertrag und wird auch klappen, denn alle primär versorgenden Länder, die wir um uns herum haben, die denken das sowieso logisch mit zusammen mit. Also die setzen nicht nur nichtärztliche Professionen und ein- und delegieren Leistungen ärztliche Leistungen oder teilärztliche Leistungen, sondern Die haben auch irgendein zentrales Terminbohrungsportal und Jetzt muss ich auf mein Lieblingsthema zu sprechen kommen, was eigentlich ein Game Changer ist.
Wir sollten nicht zu sehr über Videosprechstunde und synchrone: Kommunikation reden, sondern asynchrone Kommunikation. Ja, also wenn Haus- und Primärärzte und auch deren Personal, die Praxisteams zukünftig mehr Ansturm bekommen, dann können wir das nicht durch mehr Videosprechstunden lösen Das kostet auch alles viel Zeit und dann müssen bestimmte Anliegen die entweder Anfragen sind, die heute telefonisch reinkommen, a von einer KI, wie heute schon die Telefonassistenten das machen, oder b eben asynchron per Chat und Messaging abgefrühstückt werden. Und ich glaube, dass das auch ein No-Brainer ist, weil das auch in den anderen Ländern, die solche zentralen Eingangskanäle haben, die manchmal Digital Front Door genannt werden. Kanada ist ein sehr gutes Beispiel und Schweden und Dänemark die wurden gerade auch hier im Chat genannt auch. Das sind ganz übliche Kanäle und dann redet man halt nicht mehr über den Arzt oder Praxis-Patientenkontakt, sondern hat man den Zugang zum Gesundheitswesen über eben eine Plattform.
Über die haben wir vorhin geredet und da ist dann gar nicht mehr so wichtig, wie heißt die und wer macht die,: sondern Deutschland, Unser Gesundheitssystem hat oder bietet dann eben einen digitalen Zugang zum Gesundheitssystem, das digital, vor ambulant vor stationär, das wir heute nur im privatwirtschaftlichen Markt haben, dadurch, dass sich manche Ärzte für private Videosprechstundanbieter, private Terminbuchungsplattformen entscheiden und im staatlichen Kontext mit der 11.6, 11.7 auch ein Angebot wäre, dass man zentralisieren und öffnen könnte für diesen privatwirtschaftlichen Markt und das passiert im Hintergrund ja auch schon durch die KV digital. Also ich sehe Positiv in diese Richtung. Stefan: Das Asynchrone muss man einfach nochmal klar sagen, es ist abgebildet in unserem Vergütungssystem. Ja, also wir können Telekonsile mit anderen Fachgruppen machen. Das ist abgebildet und dafür werde ich vergütet. Das ist leider auch nicht in allen Köpfen drin. Und von daher, ich glaube, man kann immer auf alles schimpfen aber das gibt es jetzt schon. Man müsste es nutzen.
Jan Zeggel Da meinst du aber den Austausch mit deinen Berufskolleginnen, nicht im: Kontext zwischen Praxis und Patient, oder? Stefan: Genau, das meine ich und das wäre ja wieder so ein Punkt, jetzt habe ich den Patienten, ich sitze ja im digitalen Pfarrers und Gesundheitszentrum und der braucht beispielsweise eine Beurteilung durch einen Neuroschirurgen seiner Rückenproblematik dann kriegt der Neuroschirurg von mir eine entsprechende Nachricht mit entsprechenden Informationen und da braucht der Patient gar nichts vom Neuroschirurgen. Das vergessen wir gerade immer bei dem Primärsystem, das ist schon da, wir können das jetzt schon nutzen.
Jan Zeggel Gibt nur keine infrastruktur außer kim wo das für Vernünftig funktionieren. Also Kim ist ja auch nur einer der Datenkabel an der Stelle. Aber Timo, betreibt denn die Gematik diese Plattform oder wer wird das machen? Ist das die KBV? Wer wird der Betreiber dieser Versorgungsplattform, wo die ganzen Termine alle da sind und wo sich Drittanbieter privatwirtschaftlich draufschalten können in deiner Vision, so wie ich jetzt verstanden habe?: Timo: Ich kann nur die Vermutung äußern, dass es eine interoperable Plattform wird, an die sowohl der privatwirtschaftliche Markt Anschluss findet, als auch andere Player, die sie nicht betreiben, aber dann mitspielen dürfen. Und solange kein Referentenentwurf da ist, kann ich dazu nicht sagen, wer das betreibt. Da habe ich keine Vorabinformationen Luisa: Ich frage jetzt doch eher, ist das realistisch? Also ist es überhaupt möglich, eine einzige Plattform zu haben, über die dann alles irgendwie drüber rutscht? Ich glaube fast, wäre cool, aber wird nicht möglich sein. Also es wird dann am Ende ein Zusammenspiel sein zwischen Datenaustausch Schnittstellen, Schnittstellenstandards die ja auch fleißig sozusagen definiert werden. Und auch ein bisschen Wettbewerb dass sich gewisse Sachen zusammenfinden werden und manche vielleicht dann auch nicht. Das wird irgendwie die Realität sein, glaube ich.
Jan Zeggel Das hängt vom: Reformwillen aus dem BMG schlussendlich am Ende ab und ob man da eine Lösung mit der Selbstverwaltung findet, oder? Timo: Also ich glaube nicht, also es wird nicht von einem auf den anderen Tag eine Plattform geben, die dann alle anderen ablöst. Das ist ein riesenlanger Change-Prozess Man kann nicht von heute auf morgen alles, was es heute schon an Terminen, an Ersteinschätzungstools an Steuerungsoptionen gibt, abschalten. Viele Praxen nutzen das heute schon in ihrem eigenen Kosmos, das alles irgendwie zu harmonisieren auf eine Plattform Die Plattform ist am Ende ja auch nur ein Backend. Da können verschiedene Frontend-Systeme sowohl patientenseitig als auch arztseitig über die Praxisverwaltungssysteme oder weitere Anbieter angebunden werden.
Aber dass das ein längerer Prozess ist, das miteinander zu verknüpfen, das ist uns, glaube ich, allen bewusst. Das hätten wir gerne alles schneller. Und wir würden irgendwie auch gerne alle die Plattform selbst betreiben. Aber es ist kein Wunschkonzert. Am Ende machen wir: das alles für das deutsche Gesundheitssystem. Und ich glaube schon, dass es ein positiver Einschlag ist. Also ein bisschen mehr in Richtung Zentralisierung zu gehen. Denn das, was ich in den letzten Wochen in einzelnen Bundesländern gesehen habe, ist alles ähnlich. Also ähnliche Systeme werden von KVen angeboten. Die Patientenportale schlagen ja auch in dieselbe Stoßrichtung, auch wenn sie noch nicht wirklich genutzt werden. Die Praxis-Patienten-Apps die es so gibt, über die man chatten Termin buchen, Rezeptbestellung machen kann, die gehen auch alle in dieselbe Richtung. Also da ein bisschen mehr auf Zentralisierung zu pochen, ist ja gar kein Fehler. Ja Nur weil es lange dauert erscheint es vielleicht unrealistisch aber es ist ja nicht der falsche Weg. Stefan: Und die Mutter hat es ja richtig gesagt, wir haben ja Systeme wir müssen die noch nutzen. Es gibt Messenger-Systeme die auf der gleichen Basis aufbauen und es gibt ja auch große PVS-Hersteller, die verstanden haben, dass man miteinander spricht. Dass man nicht nur mit dem eigenen Ökosystem spricht, sondern auch mit fremden Systemen Das ist Thema Interoperabilität.
Das wird: bei den Terminbuchungsportalen auch so sein. Und der eine Patient möchte gerne über X buchen, der andere über Y und der nächste über Z. Dass aber nachher die Kanalisierung zu mir als im KV-Arzt tätiger Arzt vielleicht über eine KBV laufen muss, logischerweise weil da definierte Schnittstellen sind, da spricht ja auch gar nichts dagegen. Und das kann man ja auch Technisch so lösen dass es auch gerecht genug ist. Also da mache ich mir gar keine Sorgen Ich verstehe natürlich, dass sich Anbieter Sorgen machen, wer ist der Erste der da drin ist. Ja, jetzt können wir über einen großen Anbieter sprechen, der mit ganz viel Geld ganz viele Terminbuchungen in Deutschland anbietet.
Ja, aber der muss sich dann genauso anpassen. Und ich glaube, das ist der Vorteil für Patientinnen und Patienten. Der Patient muss am Ende effekt wissen, egal über wen ich buche, Die Termine die zur Verfügung stehen, melde ich jetzt, wenn ich mich als Praxis jetzt einfach hier sehe, ich melde nach oben, ich habe Termine dann und dann frei und die werden zu mir runter gebucht und ich glaube, nur so muss man es denken, weil dann ist das Ganze auch fair.: Jan Zeggel: müssen langsam zum Ende kommen, ihr Lieben aber man sieht also, glaube ich, dass es eine extrem komplexe Diskussion ist und Gemengelage das war uns ja allen auch klar, also ich hoffe, dass für alle, die zugehört haben, eine gewisse Einordnung dabei ist und vielleicht auch, also zumindest geht es mir so, also ein konkreteres Gefühl habe für ein Zielbild, ja, auf das man gegebenenfalls hinsteuern kann, aber nochmal zum Abschluss. Von jedem von euch. Thesen für 26. Also was wird kommen, was wird auf jeden Fall wieder in der Ankündigungswelle stecken bleiben und nicht passieren? Wie blickt ihr drauf, Luisa? Luisa: Also ich glaube, was unbedingt kommen muss dieses Jahr, unabhängig wie jetzt genau das Primärarzt oder Primärversorgungssystem einsteuert, es muss sich auf mehr Schultern verteilen. Wir müssen uns davon lösen dass nur Ärzte Sachen machen dürfen. Wir brauchen Apotheker an der Front, wir brauchen Pfleger an der Front.
Vielleicht ist es sogar auch manchmal das: GGBT, was dann ein Problem löst, aber wir müssen auf mehr Schultern verteilen und wir müssen Medizin irgendwie öffnen. Jan Zeggel: Stefan, wie siehst du das? Stefan: Wir können es nur gemeinsam schaffen. Das schließt einmal daran an, was du gesagt hast Luisa, aber auch Verbände, KVen, KBVen Gematik alle diese Player, die irgendwie dabei sind, haben sich ja schon eigentlich zusammengeschlossen Und jetzt gilt es eigentlich, dass wir Ärztinnen und Ärzte verstehen, dass es so nicht weitergeht, sondern dass wir uns lenken lassen müssen oder beziehungsweise Patienten lenken und wir uns da anfügen. Ich glaube, das ist ein Thema Jan Zeggel: Timo, wie ist dein Blick auf 26 26
Timo Ja, wir haben, glaube ich heute über 50 Prozent der Zeit über das Kernelement Digitalisierung im Primärversorgungssystem gesprochen und ich glaube, es gibt so einen leichten Ausblick, dass uns das dieses Jahr am meisten beschäftigen wird in dieser ganzen Debatte rund um das Versorgungssystem Primärversorgungssystem und ich glaube auch, dass es unabdingbar ist, dass wir da einfach auf einen gemeinsamen Nenner: kommen. Ich bin auch zuversichtlich, dass das in dem ganzen Gesetzgebungsverfahren klappen wird und dass wir uns da nicht so schwer tun werden, wie bei den letzten Jahren in der Krankenhausreform oder ähnliches. Ich glaube, dass es da einfacher ist, einen gemeinsamen Nenner zu finden und freue mich drauf. Jan Zeggel: Ja, also vielen Dank für euren Ausblick. Also ich gehe auf jeden Fall deutlich optimistischer raus aus dem Termin als ich reingegangen bin in Anbetracht der Vielzahl der Themen, die gerade parallel passieren. Und ja. Also ich persönlich nehme für mich mit, wir haben sozusagen, also Erkenntnisproblem haben wir noch nie, wir hatten ein Umsetzungsproblem, es gibt jetzt aber durchaus einen Fahrplan und auch ein konkretes Konzept wie das Zusammenspiel der einzelnen Elemente funktionieren kann. Ich glaube, jeder muss von seinem Ego ein Stück weit zurücktreten, das ist auch deutlich geworden, ja, alle müssen aufeinander zugehen und... Timo: Vielen
Jan Zeggel also Technologie alleine wird die Themen: nicht lösen, sondern die Vergütungslogik muss analog dazu genauso schnell angepasst werden, darüber schaffen wir entsprechende Anreize, dann auch digitale Lösungen, die ja da sind, auch schneller in die Praxis zu bringen, hier kam auch gerade noch der Kommentar weniger mit Malus-Systemen sondern eher mit Anreizsystemen zu arbeiten und also insofern ja, Sage ich vielen, vielen Dank für die tolle Diskussion auch an alle, die sich hier über LinkedIn beteiligt haben. Wahnsinnig viele Kommentare, wir konnten jetzt gar nicht alle mit aufgreifen. Wir alle stehen euch im Nachgang über LinkedIn auch natürlich noch zur Verfügung und ich denke, das war nicht das letzte Mal, dass wir in der Runde miteinander gesprochen haben und ja, vielen Dank an alle und bleibt gesund und bis bald. Luisa: Danke euch. Stefan: Macht's gut. Timo: ciao.
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